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Brasilien rutscht vor Stichwahl weiter nach rechts
In Brasilien gibt es eine Stichwahl zwischen Lula und Flávio Bolsonaro. Bolsonaro ist der Favorit, weil viele Brasilianer unzufrieden sind.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Brasilien rutscht vor Stichwahl weiter nach rechts.
Host: Das Ergebnis aus Brasilien überrascht ja doch einige Beobachter: Lula lag nach der ersten Runde hinter Flávio Bolsonaro, obwohl Umfragen ihm eigentlich mehr Stimmen vorausgesagt hatten.
Guest: Genau, und das ist insofern bemerkenswert, als sich in Brasilien bislang fast immer die Faustregel bestätigt hat, dass derjenige, der im ersten Durchgang vorne liegt, am Ende auch die Stichwahl für sich entscheidet.
Host: Das würde ja bedeuten, dass Flávio Bolsonaro, der älteste Sohn des wegen seines Putschversuchs verurteilten Jair Bolsonaro, in drei Wochen durchaus gute Chancen hätte, Präsident zu werden.
Guest: Absolut, er gilt bereits jetzt als klarer Favorit für die Stichwahl. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass Lula nach eigenen Angaben recht gelassen auf das Resultat reagiert hat und ankündigte, erneut in den Wahlkampf zu ziehen.
Host: Woran liegt es denn deiner Einschätzung nach, dass der Herausforderer im ersten Durchgang so stark abgeschnitten hat?
Guest: Beobachter führen das vor allem auf die wachsende Unzufriedenheit vieler Brasilianerinnen und Brasilianer mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten sowie mit der Kriminalität zurück.
Host: Das überrascht mich insofern, als die brasilianische Wirtschaft doch eigentlich wächst, oder?
Guest: Richtig, und genau das macht die Lage paradox: Obwohl die Wirtschaft wächst, sind laut Berichten acht von zehn Brasilianerinnen und Brasilianern verschuldet. Das wirtschaftliche Wachstum kommt also offenbar nicht bei allen gleichermaßen an.
Host: Das würde erklären, warum trotz positiver Wirtschaftsdaten so viel Frust in der Bevölkerung herrscht.
Guest: Genau, und dieser Frust hat sich ja nicht nur beim Präsidentschaftsrennen gezeigt, sondern auch bei den gleichzeitig abgehaltenen Wahlen insgesamt.
Host: Inwiefern?
Guest: Bolsonaros liberale Partei hat sich breite Mehrheiten im Senat und im Abgeordnetenhaus gesichert, dazu kommen noch zahlreiche gewonnene Gouverneursposten.
Host: Und offenbar bleibt das Ganze auch stark in der Familie Bolsonaro verankert.
Guest: Ja, unter den neu gewählten Abgeordneten und Senatoren finden sich mit Michelle, Carlos und Jair Renan Bolsonaro gleich drei weitere Mitglieder der Familie des Ex-Präsidenten.
Host: Das klingt fast schon nach einer politischen Dynastie, die sich dort etabliert.
Guest: Man könnte es durchaus so nennen, zumal Flávio Bolsonaro selbst bereits erklärt hat, die Ära der linken Arbeiterpartei sei besiegelt – was natürlich eine sehr forsche Formulierung ist, solange die Stichwahl noch gar nicht entschieden ist.
Host: Wie nehmen die Wählerinnen und Wähler diese Entwicklung denn auf? Ist da eher Zuversicht oder Sorge zu spüren?
Guest: Die Stimmung ist ziemlich geteilt. Lulas Anhänger äußern vor allem die Sorge, dass eine Rückkehr der Bolsonaros an die Macht die Institutionen des Landes schwächen könnte.
Host: Und auf der anderen Seite?
Guest: Da sehen Bolsonaros Unterstützer in dem Ergebnis eher ein Erwachen des Volkes gegen die bisherige linke Regierung, also eine völlig gegensätzliche Lesart derselben Zahlen.
Host: Welche Bedeutung hätte ein Sieg Bolsonaros denn über Brasilien hinaus?
Guest: Eine ziemlich große, würde ich sagen. Immerhin handelt es sich um Lateinamerikas größte Demokratie und Volkswirtschaft, die damit politisch nach rechts rücken würde.
Host: Das würde Brasilien also in eine Reihe mit anderen Ländern der Region stellen.
Guest: Genau, etwa mit Argentinien und Kolumbien, deren Regierungen zuletzt ebenfalls als Verbündete von US-Präsident Donald Trump gewählt wurden. Insofern hätte diese Wahl durchaus geopolitisches Gewicht, weit über Brasilien hinaus.
Host: Bleiben uns also noch gut drei Wochen bis zur endgültigen Entscheidung über das höchste Staatsamt Brasiliens.
Guest: Genau, und bis dahin dürfte der Wahlkampf auf beiden Seiten noch einmal deutlich an Schärfe gewinnen, zumal beide Lager sehr genau wissen, wie viel dabei auf dem Spiel steht.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!