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Chemie-Nobelpreis für Entdeckung zur Molekülstruktur
Henri Kagan und Kenso Soai erhalten den Chemie-Nobelpreis 2026 für ihre Forschung zur Chiralität von Molekülen.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Chemie-Nobelpreis für Entdeckung zur Molekülstruktur.
Host: Der Chemie-Nobelpreis 2026 geht gleich an zwei Männer, die sich mit einem auf den ersten Blick fast unscheinbaren Phänomen beschäftigt haben – der Chiralität. Was genau verbirgt sich dahinter?
Guest: Im Grunde geht es darum, dass viele Moleküle in zwei spiegelbildlichen Varianten existieren, ähnlich wie die linke und die rechte Hand: strukturell identisch aufgebaut, aber eben nicht zur Deckung zu bringen. Und obwohl sich diese beiden Formen chemisch kaum unterscheiden, können sie völlig unterschiedlich riechen, schmecken oder im Körper wirken.
Host: Das klingt zunächst wie eine akademische Feinheit. Warum ist das denn in der Praxis so bedeutsam?
Guest: Weil die Natur in der Regel nur eine der beiden Spiegelformen hervorbringt, während man im Labor jahrzehntelang meist beide Varianten im gleichen Verhältnis erhielt. Insofern bestand die eigentliche Herausforderung jahrzehntelang darin, gezielt nur die gewünschte Form herzustellen, anstatt beide gleichzeitig zu erhalten – und genau dort setzen die Arbeiten der beiden Preisträger an.
Host: Beginnen wir mit Henri Kagan. Was genau hat er geleistet?
Guest: Kagan, der 1930 in Frankreich geboren wurde, entwickelte neue Methoden, mit denen sich chemische Reaktionen so steuern lassen, dass am Ende eine der beiden Spiegelformen deutlich überwiegt. Dadurch eröffneten sich völlig neue Möglichkeiten, etwa bei der Herstellung von Arzneimitteln, aber ebenso von Duft- und Geschmacksstoffen sowie gänzlich neuartigen Materialien.
Host: Und Kenso Soai hat diesen Ansatz dann noch einmal weiter vorangetrieben?
Guest: Genau, allerdings auf eine ganz andere, fast spektakuläre Weise. Der 1950 geborene Soai entwickelte eine Reaktion, bei der ausschließlich eine einzige der beiden Spiegelformen entsteht, wobei sich dieser Vorgang zugleich selbst verstärkt.
Host: Was muss man sich unter diesem "Selbstverstärken" eigentlich vorstellen?
Guest: Dass die einmal entstandene Form ihre eigene weitere Entstehung gewissermaßen begünstigt, bis am Ende fast ausschließlich diese eine Variante vorliegt. Ein Vertreter des Nobelkomitees bezeichnete das als eines der eindrucksvollsten Experimente der gesamten organischen Chemie – und das durchaus zu Recht, denn solche selbstverstärkenden Prozesse kannte man zuvor ausschließlich aus der Natur. Niemandem war es zuvor gelungen, sie tatsächlich im Labor nachzubilden.
Host: Welche Rolle spielt das Ganze denn heute konkret, etwa in der Medizin?
Guest: Eine ganz entscheidende, würde ich sagen. Da unterschiedliche Spiegelformen eines Stoffes auch unterschiedlich im Körper wirken können, spielt die gezielte Herstellung einer einzelnen Form bei nahezu jedem heute verwendeten Medikament eine Rolle. Andernfalls riskiert man schließlich Nebenwirkungen oder eine verminderte Wirksamkeit, die allein auf die unerwünschte Spiegelform zurückgehen.
Host: Wie hat Soai denn selbst auf die Auszeichnung reagiert?
Guest: Er nahm die Bekanntgabe telefonisch aus Japan entgegen und beschrieb den Moment als einen der bewegendsten Tage seines gesamten Lebens. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass der Preis nicht nur ihm persönlich, sondern vor allem dem öffentlichen Verständnis für die Bedeutung der Chiralität zugutekommt.
Host: Erwartet er denn auch, dass die Forschung in diesem Bereich dadurch neuen Schub bekommt?
Guest: Ja, genau das ist seine Hoffnung: dass die Auszeichnung weitere Forschung anstößt, um biologische Prozesse künftig noch besser zu verstehen. Denn letztlich steckt hinter der Chiralität ja auch die Frage, warum sich das Leben auf der Erde überhaupt auf eine bestimmte Spiegelform festgelegt hat, während die jeweils andere Form in der Natur kaum vorkommt.
Host: Ein Thema also, das weit über die Chemie im engeren Sinne hinausreicht.
Guest: Absolut, zumal es grundlegende Fragen zur Natur des Lebens selbst berührt, während es gleichzeitig ganz praktische Konsequenzen für die Entwicklung sichererer und wirksamerer Medikamente hat. Insofern verbindet diese Auszeichnung eine fast schon philosophische Fragestellung mit sehr konkretem, alltäglichem Nutzen.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!