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C1
Das Skelett von d'Artagnan
Archäologen haben vielleicht die Knochen von d'Artagnan gefunden. Das Skelett lag in einer Kirche bei Maastricht in den Niederlanden.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über D'Artagnan in Maastricht: Ein historischer Fund?.
Host: Der Kirchenboden bricht ein – und darunter liegt möglicherweise einer der berühmtesten Männer des 17. Jahrhunderts. Was genau wurde da gefunden?
Guest: Genau das ist so faszinierend an dieser Geschichte. In einer Kirche in der Nähe von Maastricht ist im Februar der Boden eingebrochen, und dabei kam ein Skelett zum Vorschein. Interessant daran ist nicht nur das Skelett selbst, sondern auch das, was dabei lag: Reste eines Musketengeschosses in Brusthöhe und eine französische Münze.
Host: Das klingt zunächst nach einem zufälligen archäologischen Fund. Warum glaubt man denn, dass es sich um die Überreste von d'Artagnan handeln könnte?
Guest: Das ist eine berechtigte Frage, und es gibt tatsächlich mehrere Indizien, die zusammenspielen. Zunächst: d'Artagnan – bürgerlich Charles de Batz de Castelmore – starb 1673 während der französischen Belagerung von Maastricht, höchstwahrscheinlich durch eine Musketenkugel. Das stimmt mit dem Befund überein.
Host: Und die Münze? Ist das nicht ein bisschen dürftiger Beweis, für sich allein betrachtet?
Guest: Für sich allein betrachtet, ja. Allerdings kommt entscheidend hinzu, wo genau das Skelett lag – nämlich dort, wo früher der Altar stand. Der Diakon Jos Valke hat gegenüber L1Nieuws erklärt, dass an dieser Stelle ausschließlich Angehörige des Adels oder Personen von hohem Rang bestattet wurden. Das schränkt den Kreis der Kandidaten erheblich ein.
Host: Aha, das gibt der Sache schon mehr Gewicht. Hatte jemand das vorher schon vermutet? War das eine bekannte Theorie?
Guest: Ja, tatsächlich. Die französische Historikerin Odile Bordaz hatte bereits 2008 die Hypothese aufgestellt, dass d'Artagnan in dieser Kirche begraben sein könnte. Sie argumentierte, man habe ihn in Kriegszeiten eilig bestattet, wie es damals üblich war. Das Militärlager von Wolder lag direkt neben dieser Kirche, was die Theorie geografisch zusätzlich untermauert.
Host: Und die Bestattung war nie registriert worden?
Guest: Genau, das ist ein weiterer wichtiger Punkt. In den Kirchenarchiven gibt es keinerlei Eintrag dazu, was Bordaz' Theorie einer überstürzten Kriegsbeisetzung zusätzlich stützt. Eine reguläre Beisetzung wäre wohl dokumentiert worden – das Fehlen des Eintrags ist hier also kein Gegenargument, sondern passt ins Bild.
Host: Können wir das eigentlich mit Sicherheit klären? Gibt es DNA-Analysen?
Guest: Die laufen gerade. Den Zähnen des Skeletts wurde DNA entnommen, die nun mit dem Erbgut eines Nachfahren aus der Familie De Batz verglichen wird. Das ist im Moment wohl die zuverlässigste Methode, um eine definitive Antwort zu bekommen – alles andere bleibt vorerst spekulativ.
Host: Wer war dieser d'Artagnan eigentlich historisch gesehen? Die meisten kennen ihn ja ausschließlich aus dem Roman von Dumas.
Guest: Das ist ein entscheidender Unterschied, den man betonen muss. Der historische d'Artagnan war Anführer der Elitetruppe der Edelleute Ludwigs XIV. und dessen rechte Hand in Fragen der Spionage, geheimer Missionen und des persönlichen Schutzes. Als die Nachricht von seinem Tod den König erreichte, soll er zu seiner Frau Maria Teresa gesagt haben: 'Ich habe d'Artagnan verloren, dem ich blind vertraut habe und der zu allem fähig war.'
Host: Das klingt nach einer außerordentlichen Vertrauensstellung – weit über die Rolle eines gewöhnlichen Offiziers hinaus.
Guest: Absolut. Insofern erklärt sich auch, warum ihm eine Beisetzung an einem derart privilegierten Ort zugekommen wäre. Wer dem König so nahestand, verdiente eine entsprechende Ehrung – selbst mitten im Kriegschaos und ohne offizielle Dokumentation.
Host: Und Dumas hat ihn dann literarisch unsterblich gemacht, oder?
Guest: Genau. 1844 erschien 'Die drei Musketiere', und damit wurde d'Artagnan weltweit bekannt – zwar als vierter Musketier zusammen mit Aramis, Porthos und Athos, aber das Werk ist bekanntlich wenig historisch korrekt. Dumas hat die Figur stark romanisiert. Interessanterweise gibt es in Maastricht sogar eine Statue von ihm, die ihn als Symbol für Mut und Freundschaft darstellt.
Host: Eine Statue für eine Figur, die zwischen historischer Person und literarischer Erfindung schwebt – das finde ich bemerkenswert. Glaubst du, der Fund würde das historische Bild von d'Artagnan grundlegend verändern?
Guest: Nicht grundlegend, nein. Folglich wäre der Fund vor allem eine Bestätigung dessen, was Bordaz seit Jahren behauptet hat. Es würde d'Artagnan zwar als historische Persönlichkeit weiter festigen, aber das literarische Bild, das Dumas gezeichnet hat, wird wohl immer dominanter bleiben als die historische Realität.
Host: Während der historische d'Artagnan also dauerhaft im Schatten seines fiktiven Ebenbildes bleibt?
Guest: Genau, das ist das Paradoxe daran. Gerade weil der Roman so wenig mit der Realität zu tun hat, hat er die Figur viel populärer gemacht, als es die historische Wahrheit je getan hätte. Der echte d'Artagnan war vor der Veröffentlichung von Dumas' Werk für die breite Öffentlichkeit weitgehend unbekannt.
Host: Falls die DNA-Analyse positiv ausfällt – was würde das konkret für Maastricht bedeuten?
Guest: Das wäre natürlich historisch bedeutsam. Die Stadt hätte dann nicht nur eine Statue des berühmten Musketiers, sondern auch sein tatsächliches Grab. Allerdings sollte man bis dahin keine voreiligen Urteile fällen – alle Schlussfolgerungen bleiben spekulativ, solange das Ergebnis der DNA-Analyse aussteht.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!