ListenYourNews
C1
Ermittlungen gegen Ex-BND-Präsidenten Hanning wegen Landesverrats
Die Polizei hat den früheren BND-Präsidenten August Hanning verhaftet. Er soll geheime Dokumente an einen anderen Geheimdienst gegeben haben.
Start this lesson →
📖 ReadA podcast dialogue written for your level
🎧 ListenNative-sounding audio, adjustable speed
✅ QuizCheck what you understood
🎙 SpeakAn AI teacher corrects your answer
Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Spionageverdacht: Ex-BND-Chef Hanning wegen Landesverrats festgenommen.
Host: Ein Ex-BND-Präsident wird festgenommen – das ist doch ein Fall, den es in dieser Form noch nie gegeben hat, oder?
Guest: Tatsächlich nicht. August Hanning, immerhin von 1998 bis 2005 Chef des Bundesnachrichtendienstes, wurde am frühen Morgen des 6. Oktober in seinem Wohnhaus in Nordwalde bei Münster festgenommen. Und die Vorwürfe wiegen schwer: landesverräterische Ausspähung, das Ausspähen von Staatsgeheimnissen, versuchter Landesverrat und geheimdienstliche Agententätigkeit.
Host: Das sind ja gleich vier verschiedene Tatbestände. Steht er denn allein im Zentrum der Ermittlungen, oder gibt es weitere Beschuldigte?
Guest: Nein, zeitgleich wurde in Bayern ein zweiter Mann festgenommen, Manfred D., der bis zum Frühjahr 2026 beim BND beschäftigt war und davor jahrelang als Hannings Büroleiter fungierte. Ihm wirft man Beihilfe zum versuchten Landesverrat sowie Beihilfe zur landesverräterischen Ausspähung vor.
Host: Was genau soll zwischen den beiden gelaufen sein?
Guest: Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung soll D. seinen früheren Chef über Jahre hinweg, mindestens bis 2022, gegen Bezahlung mit als streng geheim eingestuften Unterlagen versorgt haben. Insgesamt sollen auf diesem Weg rund 2.000 Dokumente den Dienst verlassen haben.
Host: Zweitausend Dokumente – das ist eine beachtliche Menge. Worum ging es inhaltlich?
Guest: Unter anderem um wöchentliche Lageberichte für die sogenannte ND-Lage im Kanzleramt, also hochsensible Zusammenfassungen für die Bundesregierung, außerdem um Analysen zum iranischen Atomprogramm, zur russischen Armee und zu Informationen ausländischer Partnerdienste. Das sind exakt die Bereiche, in denen ein Leck am schwersten wiegt.
Host: Und was soll Hanning selbst mit diesem Material gemacht haben, abgesehen davon, es zu besitzen?
Guest: Ihm wird vorgeworfen, mindestens in einem Fall eine Sicherheitsbewertung für einen fremden – ausdrücklich nicht russischen – Geheimdienst erstellt zu haben. Zudem soll er interne Erkenntnisse im Austausch mit einem ausländischen Agenten verwendet haben. Insofern geht es offenbar nicht nur um Weitergabe, sondern auch um aktive Verwertung.
Host: Interessant, dass explizit betont wird, es sei kein russischer Dienst gewesen. Wie kam man den beiden überhaupt auf die Spur?
Guest: Eher durch Zufall. Im September 2025 durchsuchte das Landeskriminalamt Hamburg Hannings Haus – allerdings im Zusammenhang mit einem ganz anderen Fall, nämlich der Entführung der Steakhaus-Erbin Christina Block, in die Hanning ebenfalls verwickelt sein soll. Dabei stießen die Ermittler auf einen Datenträger mit brisanten BND-Dokumenten.
Host: Das heißt, ohne diesen völlig anderen Ermittlungsstrang wäre die mutmaßliche Spionage vielleicht nie aufgeflogen?
Guest: Genau das legt der Ablauf nahe. Die Unterlagen gelangten anschließend zu den Bundesbehörden, die im Mai 2026 ein verdecktes Ermittlungsverfahren einleiteten – also rund acht Monate vor den jetzigen Festnahmen.
Host: Was passiert jetzt mit den beiden Beschuldigten?
Guest: Sie sollen in den kommenden Tagen dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der über Haftbefehl und Untersuchungshaft entscheidet. Parallel dazu wurden bereits Räumlichkeiten in Bayern und Berlin durchsucht.
Host: Wie hat der BND selbst reagiert, und was sagen die Anwälte der Beschuldigten?
Guest: Der BND hat auf Anfrage lediglich an die Bundesanwaltschaft verwiesen, und die Anwälte beider Männer haben sich bislang nicht geäußert. Beide Seiten halten sich also auffällig bedeckt.
Host: Ist das eigentlich der einzige große Spionagefall, mit dem der BND derzeit zu kämpfen hat?
Guest: Nein, und das macht die Sache umso brisanter. Vor dem Berliner Kammergericht muss sich derzeit bereits ein ehemaliger BND-Referatsleiter verantworten, dem vorgeworfen wird, geheime Cyberoperations-Daten an Russland weitergegeben zu haben. Für den Dienst ist es also binnen kurzer Zeit bereits der zweite schwere Fall.
Host: Wie würdest du die Dimension dieses Falls insgesamt einordnen, gerade weil es sich ja um einen ehemaligen Präsidenten handelt?
Guest: Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre dies der bislang ranghöchste Spionagefall in der Geschichte der Bundesrepublik – schließlich zählte Hanning auch nach seiner Amtszeit weiterhin zu den einflussreichsten Figuren der deutschen Sicherheitspolitik. Das unterscheidet diesen Fall fundamental von früheren Leck-Affären, bei denen es meist um einzelne Mitarbeiter ging, nicht um die frühere Spitze des Dienstes selbst.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!