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EU verbietet weitere PFAS-Chemikalien in Kleidung und Kosmetik
Seit dem 10. Oktober verbietet die EU bestimmte PFAS-Chemikalien in Kleidung, Leder, Schuhen und Kosmetik. PFAS sind schwer abbaubar und können der Gesundheit schaden.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über EU verbietet weitere PFAS-Chemikalien in Kleidung und Kosmetik.
Host: Seit dem 10. Oktober gilt in der EU ein erweitertes Verbot bestimmter PFAS, also per- und polyfluorierter Alkylsubstanzen, und zwar nicht mehr nur in Lebensmittelverpackungen, sondern jetzt auch in Textilien, Leder, Schuhen, Pelzen und sogar in Kosmetikprodukten wie Gesichtscremes.
Guest: Genau, sofern die festgelegten Grenzwerte überschritten werden. Interessant ist ja, dass bereits zwei Monate zuvor ein ähnliches Verbot für Lebensmittelverpackungen in Kraft getreten war, die EU geht also Schritt für Schritt vor, anstatt alles auf einmal zu regulieren.
Host: Warum gelten PFAS eigentlich als so problematisch? Man hört ja immer den Begriff Ewigkeitschemikalien.
Guest: Weil sie sich in der Umwelt kaum abbauen, bleiben sie praktisch für immer bestehen, daher der Name. Gleichzeitig sind sie aber enorm widerstandsfähig gegen Wasser, Schmutz, Öl, Hitze und aggressive Chemikalien, weshalb sie in ganz unterschiedlichen Branchen eingesetzt werden, etwa in der Metallverarbeitung, der Elektronikfertigung oder bei Dichtungen und Schmierstoffen.
Host: Das klingt zunächst nach einem umfassenden Verbot. Ist es das tatsächlich?
Guest: Nicht wirklich, und genau das betont auch Kerstin Effers von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie weist darauf hin, dass das aktuelle Verbot nur eine kleine Gruppe aus der riesigen PFAS-Familie betrifft, konkret die Perfluorhexansäure PFHxA, ihre Salze sowie verwandte Stoffe.
Host: Also eher ein kleiner Ausschnitt als eine grundlegende Lösung.
Guest: Insofern ja. Diese sogenannten C6-Verbindungen wurden häufig gerade deshalb eingesetzt, weil man die stärker regulierten C8-PFAS ersetzen wollte. Fachleute schätzen sie allerdings als ähnlich schädlich ein, weshalb man hier eher von einer Verschiebung des Problems sprechen könnte als von einer wirklichen Lösung.
Host: Was weiß man denn über die gesundheitlichen Folgen?
Guest: Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen bringen bestimmte PFAS mit Schäden an Leber, Hormon- und Immunsystem in Verbindung. Darüber hinaus werden Auswirkungen auf Fruchtbarkeit, Impfwirkung und sogar das Krebsrisiko vermutet.
Host: Das betrifft doch sicher nicht nur einzelne Personen.
Guest: Nein, ganz und gar nicht. Bei rund zwei Dritteln der jungen Bevölkerung in Deutschland lassen sich mindestens drei verschiedene PFAS gleichzeitig im Blut nachweisen. Das zeigt, wie verbreitet diese Stoffe mittlerweile sind.
Host: Thorsten Reemtsma vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung äußert sich ja ebenfalls dazu.
Guest: Richtig, er weist darauf hin, dass PFAS wegen ihrer praktischen Eigenschaften oft auch dort verwendet werden, wo eigentlich andere, weniger bedenkliche Stoffe völlig ausreichen würden. Ein Teil des Einsatzes beruht also offenbar eher auf Bequemlichkeit als auf echter Notwendigkeit.
Host: Wie reagiert denn die Industrie auf die neuen Vorgaben?
Guest: Durchaus kritisch. Der Maschinenbauverband VDMA erklärt etwa, dass manche technischen Anwendungen, zum Beispiel Pumpen für reines Wasser, ohne PFAS kaum leckagefrei zu betreiben seien.
Host: Und was sagt die Textilindustrie dazu?
Guest: Der Verband der Textilindustrie warnt, ein weitgehendes Verbot von PFHxA gefährde technische Textilien, die etwa dem Personen- und Umweltschutz dienen, und beeinträchtige außerdem die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hersteller gegenüber dem Weltmarkt.
Host: Das klingt nach einem ernstzunehmenden Einwand.
Guest: Zweifellos, allerdings hält Effers dagegen: Die Unternehmen hätten genug Zeit gehabt, sich auf die Regelung einzustellen, und geeignete, umweltfreundlichere Alternativen zur Imprägnierung seien bereits verfügbar. Es handelt sich also weniger um ein technisches als vielmehr um ein Umsetzungsproblem.
Host: Gibt es eigentlich Länder, die hier schon weiter sind als die EU insgesamt?
Guest: Ja, Dänemark zum Beispiel. Dort wurden ähnliche Beschränkungen für PFAS in Papierverpackungen bereits vor sechs Jahren eingeführt, also lange bevor die EU in diesem Bereich aktiv wurde.
Host: Das bedeutet wohl, dass einzelne Staaten durchaus schneller und konsequenter vorangehen können, während die EU als Ganzes naturgemäß langsamer reagiert.
Guest: Genau, und folglich bleibt abzuwarten, ob diesem ersten Schritt gegen die C6-Verbindungen weitere, umfassendere Verbote für andere PFAS-Gruppen folgen werden.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!