ListenYourNews
C1
Krakau wählt in Stichwahl neuen Bürgermeister
In Krakau wählen die Bürger einen neuen Bürgermeister. Monika Piatkowska und Lukasz Gibala treten in der Stichwahl gegeneinander an.
Start this lesson →
📖 ReadA podcast dialogue written for your level
🎧 ListenNative-sounding audio, adjustable speed
✅ QuizCheck what you understood
🎙 SpeakAn AI teacher corrects your answer
Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Krakau wählt in Stichwahl neuen Bürgermeister.
Host: In Krakau steht heute die Stichwahl um das Bürgermeisteramt an, und über 600.000 Wahlberechtigte müssen sich zwischen Monika Piatkowska und Lukasz Gibala entscheiden. Was macht diese Wahl eigentlich so besonders?
Guest: Nun, das Besondere ist vor allem der Weg, der zu dieser Abstimmung geführt hat. Es handelt sich ja um eine vorgezogene Wahl, weil die Krakauer im Mai per Referendum den bisherigen Amtsinhaber Aleksander Miszalski abgewählt haben – und das bereits nach nur zwei Jahren im Amt.
Host: Das klingt nach einem drastischen Schritt. Gab es so etwas in Polen schon einmal?
Guest: Laut dem Soziologen Jaroslaw Flis von der Universität Krakau nicht, zumindest nicht in einer Stadt dieser Größenordnung. Insofern betritt Krakau hier tatsächlich Neuland.
Host: Woran liegt es, dass solche Referenden überhaupt zustande kommen?
Guest: Beobachter weisen darauf hin, dass rechtspopulistische Kräfte in Polen zunehmend genau dieses Instrument nutzen, um liberale Bürgermeister aus dem Amt zu drängen. Man könnte also sagen, das Referendum wird weniger als Ausdruck spontanen Bürgerwillens verstanden, sondern vielmehr als gezielte politische Strategie.
Host: Kommen wir zu den beiden Kandidaten. Wer tritt da gegeneinander an?
Guest: Nach einem ersten Durchgang mit sieben Bewerbern sind nur noch Piatkowska und Gibala übrig. Piatkowska ist 52, war früher in der Stadtverwaltung für Stadtentwicklung zuständig und wird von der Regierungspartei getragen.
Host: Und Gibala?
Guest: Gibala ist 49, gebürtiger Krakauer, ein wohlhabender Unternehmer und sitzt bereits im Stadtrat. Offiziell tritt er unabhängig an, dürfte aber auf Unterstützung aus dem rechten Lager zählen. Interessant ist, dass es bereits sein vierter Versuch ist, Bürgermeister seiner Heimatstadt zu werden.
Host: Vierter Versuch – das zeugt schon von Hartnäckigkeit. Wie hat sich denn der Wahlkampf entwickelt?
Guest: Der Politikwissenschaftler Marek Bankowicz beobachtet, dass der Wahlkampf zuletzt deutlich an Schärfe gewonnen hat. Statt inhaltlicher Debatten habe sich die Auseinandersetzung zunehmend auf gegenseitige Vorwürfe, Anschuldigungen und sogar Gerichtsverfahren verlagert.
Host: Das heißt, die eigentlichen Streitfragen treten in den Hintergrund?
Guest: Nicht ganz, allerdings werden sie von den persönlichen Auseinandersetzungen überschattet. Inhaltlich geht es ja um Themen, die auch andere europäische Städte beschäftigen – etwa den öffentlichen Nahverkehr, den Tourismus und bezahlbaren Wohnraum.
Host: Wie unterscheiden sich die beiden Kandidaten in diesen Punkten?
Guest: Piatkowska setzt sich für den Bau einer U-Bahn und für bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen ein. Gibala will dagegen das Straßenbahnnetz ausbauen, die Touristenabgaben erhöhen und leerstehende Gebäude sanieren lassen.
Host: Es gibt ja auch einen Vorwurf, der Gibala direkt mit dem Referendum gegen Miszalski in Verbindung bringt.
Guest: Genau, laut polnischen Medienberichten hat seine Vereinigung einen Großteil der Kampagne für dieses Referendum finanziert. Das wirft natürlich die Frage auf, wie unabhängig seine Kandidatur tatsächlich ist.
Host: Und Piatkowska wird ja prominent unterstützt.
Guest: Ja, Ministerpräsident Donald Tusk und weitere Regierungsvertreter haben sie in Krakau persönlich unterstützt. Trotzdem lag sie im ersten Wahlgang hinter Gibala, was schon überraschend war angesichts dieses Rückhalts.
Host: Was bedeutet das für die Regierungspartei insgesamt?
Guest: Politische Beobachter werten die Wahl folglich auch als eine Art Stimmungstest, zumal in rund einem Jahr die nächste Parlamentswahl in Polen bevorsteht. Ein schlechtes Ergebnis für Piatkowska könnte also über Krakau hinaus Signalwirkung haben.
Host: Während ein Sieg Gibalas wiederum den rechten Kräften Auftrieb geben würde, auch wenn er offiziell unabhängig antritt.
Guest: Genau, und insofern zeigt dieser Wahlkampf exemplarisch, wie lokale Abstimmungen in Polen derzeit zu einem Austragungsort größerer politischer Richtungskämpfe werden.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!