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C1
Landwirtschaft bleibt bei Dünger von Erdgas abhängig
Landwirtin Anna Catharina Voges nutzt chemisch-synthetischen Dünger für eine gute Weizenernte. Der Dünger kommt meistens aus Erdgas und produziert viele Treibhausgase. Grüner Wasserstoff könnte eine klimafreundliche Alternative sein.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Landwirtschaft bleibt bei Dünger von Erdgas abhängig.
Host: Frau Voges bewirtschaftet einen fast 2.500 Hektar großen Hof nordöstlich von Leipzig, und trotz der extremen Hitze in diesem Jahr fällt ihre Weizenernte zufriedenstellend aus. Wie erklärt sie sich das?
Guest: Sie führt das vor allem auf den Einsatz von chemisch-synthetischem Dünger zurück. Damit lässt sich Stickstoff viel gezielter dosieren als mit organischem Dünger wie Gülle oder Kompost, und genau das hat offenbar dafür gesorgt, dass sowohl die Korngröße als auch die für die Backqualität entscheidenden Proteinwerte stimmen.
Host: Das klingt zunächst nach einer reinen Erfolgsgeschichte. Aber offensichtlich steckt da ein Konflikt drin, sonst würden wir jetzt nicht darüber sprechen.
Guest: Genau, und der Konflikt liegt in der Herstellung. Laut dem Thünen-Institut in Braunschweig werden in Deutschland jährlich rund eine Million Tonnen Stickstoff aus Industriedünger ausgebracht, und dieser Dünger wird überwiegend auf Erdgasbasis produziert. Das erzeugt erhebliche Treibhausgasemissionen.
Host: Wie groß ist dieser Anteil eigentlich am Gesamtausstoß Deutschlands?
Guest: Das Thünen-Institut beziffert Herstellung und Ausbringung von Mineraldünger auf etwa ein Prozent der gesamten deutschen Emissionen. Das klingt erstmal wenig, aber da Deutschland bis 2045 klimaneutral werden will, muss auch dieser Anteil sinken.
Host: Und im ökologischen Landbau ist das ja offenbar gar kein Thema, weil dort synthetischer Dünger verboten ist.
Guest: Richtig, im ökologischen Anbau ist der Einsatz untersagt, was allerdings zu geringeren Erträgen führt. Insofern lässt sich das Problem nicht einfach durch einen kompletten Umstieg lösen, ohne dass die Erträge einbrechen.
Host: Was schlägt denn das Umweltbundesamt vor?
Guest: Es fordert vor allem eine effizientere Stickstoffnutzung, um den Düngerbedarf insgesamt zu senken. Daneben gibt es die Idee, das eingesetzte Erdgas durch Biomethan aus Reststoffen wie Gülle oder Pflanzenabfällen zu ersetzen.
Host: Klingt naheliegend. Wo liegt da der Haken?
Guest: Das Problem ist, dass Biomasse auch in anderen Bereichen gefragt ist, etwa im Verkehrssektor. Sowohl das Umweltbundesamt als auch die Organisation Agora Agrar bezweifeln deshalb, dass die verfügbaren Mengen überhaupt ausreichen würden.
Host: Bleibt also der grüne Wasserstoff als vielversprechendere Alternative.
Guest: Aus Klimasicht gilt er tatsächlich als vorzugswürdig. Der Düngemittelhersteller Yara International betreibt in Norwegen bereits eine Pilotanlage, in der per Elektrolyse aus erneuerbarem Strom grüner Wasserstoff und daraus grünes Ammoniak entsteht, der Grundstoff für Stickstoffdünger.
Host: Und Voges selbst hatte doch sogar an so einem Projekt teilgenommen, oder?
Guest: Ja, sie hat an einem Testprojekt teilgenommen, kann den grünen Dünger derzeit aber nicht regulär beziehen und rechnet mit deutlich höheren Kosten. Auch der Deutsche Bauernverband bestätigt, dass grüner Mineraldünger am Markt schlicht nicht konkurrenzfähig ist.
Host: Woran liegt das konkret?
Guest: Michael Sterner, Professor für Energietechnik an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg, nennt zwei Gründe: hohe Strompreise und die Tatsache, dass die Elektrolysetechnik noch nicht im industriellen Maßstab verfügbar ist. Er fordert deshalb langfristige Abnahmeverträge, verbindliche Quoten und eine Kennzeichnung klimafreundlicher Produkte, um Investitionen abzusichern.
Host: Wie reagiert die Politik auf solche Forderungen?
Guest: Eher zurückhaltend. Das Landwirtschaftsministerium unter Alois Rainer lehnt verbindliche Quoten oder ein Klimalabel ab, weil beides nicht im Koalitionsvertrag vorgesehen sei und man zusätzliche Bürokratie vermeiden wolle.
Host: Und das Wirtschaftsministerium?
Guest: Unter Katherina Reiche räumt man immerhin ein, dass sich der Wasserstoff-Hochlauf verzögert, schlicht weil fossile Alternativen günstiger sind. Geplant ist nun eine Förderung heimischer Elektrolyseure sowie der Import von Wasserstoff etwa aus Algerien oder Tunesien.
Host: Das heißt, kurzfristig bleibt die Landwirtschaft trotz aller Alternativen weiterhin an Erdgas gebunden.
Guest: Genau das ist die ernüchternde Bilanz: Solange grüner Dünger wirtschaftlich nicht mithalten kann und verbindliche politische Rahmenbedingungen fehlen, wird sich an dieser Abhängigkeit vorerst kaum etwas ändern.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!