ListenYourNews
C1
Literaturnobelpreis geht an Anne Carson aus Kanada
Anne Carson aus Kanada bekommt den Literaturnobelpreis 2026. Die Schwedische Akademie würdigt ihr literarisches Werk.
Start this lesson →
📖 ReadA podcast dialogue written for your level
🎧 ListenNative-sounding audio, adjustable speed
✅ QuizCheck what you understood
🎙 SpeakAn AI teacher corrects your answer
Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Literaturnobelpreis geht an Anne Carson aus Kanada.
Host: Die Nachricht aus Stockholm hat ja doch einige überrascht, obwohl Anne Carson seit Jahren als Kandidatin gehandelt wurde – was war deine erste Reaktion, als du gehört hast, dass der Literaturnobelpreis tatsächlich an sie geht?
Guest: Ehrlich gesagt war ich nicht überrascht, allerdings beeindruckt von der Begründung der Akademie. Man würdigt ja nicht ein einzelnes Werk, sondern ihr gesamtes literarisches Schaffen, das als mutig und ideenreich beschrieben wird.
Host: Was mich fasziniert, ist, wie die Akademie sie überhaupt erreicht hat. Ingrid Carlberg, die ständige Sekretärin, hat sie telefonisch auf Island aufgespürt.
Guest: Ja, und das Detail, dass Carson gerade dem Wind gelauscht habe, passt wunderbar zu ihrem Werk. Carlberg berichtete, sie sei sehr überrascht und bewegt gewesen, was angesichts einer solchen Auszeichnung kaum verwundert.
Host: Carson ist inzwischen 76 Jahre alt, geboren 1950 in Toronto. Trotzdem wirkt sie in ihrem Schreiben überhaupt nicht wie eine Autorin, die sich auf bewährte Formen verlässt.
Guest: Nein, im Gegenteil. Sie gilt als eine der eigenständigsten Stimmen der zeitgenössischen Literatur, gerade weil sie unterschiedliche Gattungen miteinander verknüpft, anstatt sich auf eine einzige festzulegen. Sie verbindet klassische Philologie mit Lyrik, Essayistik, Erzählung und sogar Theater, und daraus entstehen Texte, die sich keiner klaren Kategorie zuordnen lassen.
Host: Dieses Verknüpfen von Antike und Gegenwart scheint mir geradezu ihr Markenzeichen zu sein. Figuren wie Sokrates oder Antigone tauchen bei ihr ja in ganz modernen Zusammenhängen auf.
Guest: Genau, teilweise sogar in filmischen Szenarien, was zunächst befremdlich wirken mag, aber zeigt, wie lebendig antike Stoffe noch sein können. Besonders bemerkenswert finde ich, dass sie den antiken Rhetoriker Longinus mit Künstlern wie Michelangelo oder dem Regisseur Michelangelo Antonioni in einen gedanklichen Dialog bringt – Figuren aus völlig unterschiedlichen Epochen, die bei ihr plötzlich miteinander zu sprechen scheinen.
Host: Wenn man über ihr Werk spricht, kommt man an zwei Titeln kaum vorbei: "Autobiography of Red" und "Nox".
Guest: Richtig. "Autobiography of Red" aus dem Jahr 1998 erzählt den griechischen Mythos von Geryon neu, während "Nox" von 2010 ein ganz anderes Register zieht: ein experimentelles Buch über Leben und Tod ihres Bruders. Insofern zeigt sich hier schon diese Spannweite zwischen Mythos und persönlicher Trauerarbeit.
Host: Man darf auch nicht vergessen, dass sie nicht nur Schriftstellerin war, sondern auch als Professorin für klassische Philologie an mehreren Universitäten in Kanada und den USA gelehrt hat.
Guest: Das erklärt wohl, warum ihre Texte nie oberflächlich mit der Antike spielen, sondern auf solider philologischer Grundlage beruhen. Die Akademie betont ja ausdrücklich, Carson habe damit neue literarische Formen für die Gegenwart geschaffen.
Host: Zur Einordnung: Der Literaturnobelpreis gilt weltweit als die bedeutendste Auszeichnung für Schriftstellerinnen und Schriftsteller, mit jährlich rund 200 Nominierungen.
Guest: Wobei die Namen der Vorgeschlagenen, wie bei allen Nobelpreisen, für 50 Jahre geheim bleiben. Üblicherweise würdigt der Preis ohnehin eher ein Lebenswerk als ein einzelnes Buch, was im Fall von Carson besonders gut passt.
Host: Und das Preisgeld von zwölf Millionen schwedischen Kronen, umgerechnet etwa 1,06 Millionen Euro, wird ihr traditionell am 10. Dezember in Stockholm überreicht.
Guest: Interessant ist außerdem der zeitliche Kontext: Die Literaturauszeichnung wurde als vierter Nobelpreis der diesjährigen Nobelwoche verkündet, nachdem zuvor bereits die Preisträger in Medizin, Physik und Chemie bekanntgegeben worden waren.
Host: Und unter den Medizin-Preisträgern befinden sich mit Peter Hegemann und Georg Nagel auch zwei deutsche Forscher.
Guest: Genau, während am folgenden Tag zum Abschluss der Nobelwoche noch der Friedensnobelpreis verkündet werden sollte. Insofern fügt sich Carsons Auszeichnung in eine Woche ein, in der gleich mehrere bedeutende Leistungen gewürdigt wurden.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!