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Owen Ansah holt erste deutsche EM-Medaille über 100 Meter seit 40 Jahren
Owen Ansah gewinnt Bronze über 100 Meter bei der Leichtathletik-EM in Birmingham. Es ist die erste deutsche Medaille über diese Distanz seit 40 Jahren. Ein Dopingverfahren überschattet seinen Erfolg.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Owen Ansah holt erste deutsche EM-Medaille über 100 Meter seit 40 Jahren.
Host: Diese Bronzemedaille von Owen Ansah ist schon bemerkenswert, oder? Seit 1986, also seit vierzig Jahren, hat kein deutscher Sprinter mehr eine EM-Medaille über 100 Meter geholt.
Guest: Genau, und das macht die Leistung umso bedeutender. Er lief das Finale in Birmingham in 10,19 Sekunden, und das, obwohl er mit einer eher langsamen Reaktionszeit von 0,165 Sekunden gestartet ist. Für einen 25-Jährigen eine beachtliche Steigerung im Rennverlauf.
Host: Er ist ja als Letzter aus dem Block gekommen und hat sich dann regelrecht durchgekämpft, habe ich gelesen.
Guest: Richtig, insofern war das taktisch fast ein Nachteil, den er allerdings durch seine Schlussgeschwindigkeit wieder wettgemacht hat. Auf den letzten Metern zog er noch am Niederländer Elvis Afrifa vorbei und sicherte sich damit die Bronzemedaille.
Host: Den Titel selbst hat sich Großbritannien praktisch unter sich ausgemacht, oder?
Guest: Ja, ein regelrechter Doppelerfolg: Romell Glave gewann in 10,09 Sekunden vor seinem Landsmann Jeremiah Azu, der 10,16 Sekunden lief. Während die beiden Briten das Rennen also dominierten, musste ausgerechnet der eigentliche Topfavorit vorzeitig aufgeben.
Host: Du meinst Marcell Jacobs, den Titelverteidiger aus Italien?
Guest: Genau ihn. Er hatte sich als Schnellster überhaupt fürs Finale qualifiziert, zog sich dann aber beim Aufwärmen eine Verletzung zu und brach seinen Lauf bereits nach etwa 50 Metern ab. Ohne diesen Ausfall wäre das Rennen wohl anders verlaufen.
Host: Trotzdem wird der sportliche Erfolg von Ansah ja von einem Dopingverfahren überschattet, das gerade läuft.
Guest: Das stimmt, und das ist eigentlich die andere, wichtigere Seite der Geschichte. Die Nationale Anti-Doping-Agentur hatte am 7. August 2026 wegen einer angeblich verweigerten Dopingprobe eine vierjährige Sperre gegen ihn vorgeschlagen.
Host: Wie hat er selbst beziehungsweise sein Umfeld darauf reagiert?
Guest: Über seinen Anwalt ließ er mitteilen, dass er diesen Vorschlag keineswegs akzeptieren wolle. Allerdings war die zwanzigtägige Frist für eine offizielle Stellungnahme zum Zeitpunkt des Rennens noch gar nicht abgelaufen, sodass die Angelegenheit weiterhin völlig offen ist.
Host: Was würde eine nachträgliche Sperre denn konkret für seine Medaille bedeuten?
Guest: Sollte er tatsächlich gesperrt werden, müsste er die Bronzemedaille sowie möglicherweise auch zuvor gewonnene Titel wieder abgeben. Das betrifft ja durchaus auch seine Erfolge bei den Deutschen Meisterschaften, wo er trotz der drohenden Sperre angetreten war und sowohl über 100 als auch über 200 Meter Gold gewonnen hatte.
Host: Bemerkenswert, dass er trotz dieses laufenden Verfahrens überhaupt an den Start gegangen ist, statt sich zurückzuziehen.
Guest: Ja, und offenbar hat ihn das nicht aus der Bahn geworfen. Schon im Halbfinale war er souverän gemeinsam mit dem späteren Sieger Azu in 10,20 Sekunden als Zweiter ins Ziel gekommen, also lange bevor überhaupt vom Finale die Rede war.
Host: Wie hat er den Abend nach dem Finale selbst erlebt, weißt du das?
Guest: Im Sportschau-Interview zeigte er sich vor allem erleichtert und dankte ausdrücklich für den Rückhalt aus Deutschland während des laufenden Verfahrens. Das klang schon so, als hätte die Anspannung der vergangenen Wochen durchaus an ihm gezehrt.
Host: Und wie geht es für ihn in Birmingham jetzt konkret weiter?
Guest: Er will dort noch über 200 Meter antreten. Für die deutschen Staffeln hingegen wurde er vom Deutschen Leichtathletik-Verband vorsorglich nicht nominiert, vermutlich um im Falle einer tatsächlichen Sperre keine zusätzlichen Komplikationen für die Mannschaft zu riskieren.
Host: Ein Erfolg also, der sportlich historisch ist, aber eben unter einem ziemlich großen Vorbehalt steht.
Guest: Genau, und das macht die ganze Geschichte insofern so ambivalent, als der eigentliche Triumph jederzeit rückwirkend infrage gestellt werden könnte, während Ansah selbst öffentlich weiter für seine Unschuld kämpft.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!