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Pflegeberufe gewinnen bei jungen Menschen an Attraktivität
Immer mehr junge Menschen in Deutschland machen eine Ausbildung im Gesundheitswesen. Die Bewerberzahlen steigen stark, zum Beispiel am Klinikum Ludwigshafen. Gründe sind kein Schulgeld mehr und gute Chancen auf eine feste Stelle.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Pflegeberufe gewinnen bei jungen Menschen an Attraktivität.
Host: Die Zahlen aus Ludwigshafen sind ja wirklich beeindruckend – 4.200 Bewerbungen auf gerade einmal 200 Ausbildungsplätze. Wie erklärst du dir einen derart krassen Run auf die Pflegeausbildung?
Guest: Das ist tatsächlich ein Rekordwert, und Schulleiter Benny Neukamm berichtet, dass die Bewerbungen seit zwei Jahren kontinuierlich steigen – inzwischen gibt es sogar Wartelisten. Interessant ist dabei, dass die Zahlen während der Corona-Pandemie noch rückläufig waren. Insofern erleben wir gerade eine regelrechte Trendwende, die man so vor ein paar Jahren kaum erwartet hätte.
Host: Ist das denn nur ein lokales Phänomen in Ludwigshafen, oder zeichnet sich das auch bundesweit ab?
Guest: Nein, das lässt sich durchaus bundesweit beobachten. Laut Statistischem Bundesamt begannen 2025 etwa 64.300 Menschen eine Ausbildung in der Pflege, das sind acht Prozent mehr als im Jahr davor. Besonders bemerkenswert finde ich, dass sich der Gesundheitssektor damit gegen den allgemeinen Trend in der dualen Berufsausbildung entwickelt, der insgesamt eher rückläufig ist.
Host: Das heißt, während anderswo die Ausbildungszahlen sinken, legt gerade die Pflege zu. Gilt das denn für alle Bereiche im Gesundheitswesen gleichermaßen?
Guest: Nein, Hubert Ertl vom Bundesinstitut für Berufsbildung weist ausdrücklich darauf hin, dass nicht alle Bereiche gleichermaßen profitieren. Besonders deutlich zeigt sich der Zuwachs eben in der Pflege und bei den medizinischen Fachangestellten, während andere Felder offenbar weniger stark zulegen.
Host: Woran liegt es denn konkret, dass sich gerade diese Berufe so großer Beliebtheit erfreuen?
Guest: Ertl nennt da vor allem zwei Gründe: Zum einen die Abschaffung des Schulgeldes in vielen Gesundheitsberufen, zum anderen die hohen Chancen auf eine unbefristete Übernahme direkt nach der Ausbildung. Gerade Letzteres wiegt natürlich in wirtschaftlich unsicheren Zeiten besonders schwer, wenn man bedenkt, wie unsicher die Lage in manchen anderen Branchen derzeit ist.
Host: Also eine Mischung aus finanzieller Entlastung während der Ausbildung und Jobsicherheit danach.
Guest: Genau, und dazu kommt noch ein gewisser Imagewandel. Patrycja Biundo, die selbst zehn Jahre im Operationssaal gearbeitet hat und heute Kursleiterin für die OTA-Ausbildung ist, beobachtet, dass Gesundheitsberufe heute präsenter und beliebter sind – nicht zuletzt durch entsprechende Inhalte in sozialen Medien. Zudem hätten sich auch die Weiterbildungsmöglichkeiten verbessert, etwa durch ein anschließendes Studium im Gesundheitsbereich.
Host: Das heißt, die Ausbildung wird nicht mehr als Sackgasse wahrgenommen, sondern eher als Sprungbrett.
Guest: So könnte man es durchaus formulieren, ja. Und das bestätigt letztlich auch Lilly Sand, eine der Auszubildenden in Ludwigshafen. Für sie war nach einem Praktikum klar, dass sie im OP arbeiten möchte – auch weil dieser Beruf angesichts der fortschreitenden Künstlichen Intelligenz als besonders sicher gilt. Sie hat noch zwei Jahre Ausbildung vor sich und möchte anschließend in ihrem Beruf bleiben.
Host: Interessant, dass gerade die Angst vor KI-bedingtem Jobverlust hier offenbar eine Rolle spielt. Trotz all dieser positiven Entwicklungen – gibt es denn auch Schattenseiten?
Guest: Durchaus. Ertl warnt davor, dass der Trend ins Stocken geraten könnte, weil es zunehmend an qualifiziertem Lehrpersonal für die Pflegeschulen fehlt. Am Klinikum Ludwigshafen unterrichten derzeit rund 40 Lehrkräfte, doch Neukamm berichtet, dass es zunehmend schwierig wird, neues Personal zu finden.
Host: Das wäre ja paradox – mehr Interessierte als je zuvor, aber am Ende fehlt es an Kapazitäten, sie überhaupt auszubilden.
Guest: Exakt, und das ist genau das Dilemma. Hinzu kommt, dass der steigende Bedarf an Pflegekräften angesichts der alternden Gesellschaft selbst durch mehr Auszubildende langfristig wohl nicht vollständig gedeckt werden kann. Die steigenden Bewerberzahlen sind also ein ermutigendes Signal, lösen das strukturelle Problem allerdings nicht von allein.
Host: Also ein zweischneidiges Bild: kurzfristig Grund zur Freude, langfristig weiterhin ein ungelöstes Problem.
Guest: Genau so würde ich das zusammenfassen, ja.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!