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C1
Weltzeit-Gremium schafft Schaltsekunde ab
Die CGPM hat die Schaltsekunde abgeschafft. Künftig ist eine größere Abweichung zwischen Weltzeit und astronomischer Zeit erlaubt, bevor eine Korrektur nötig ist.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Weltzeit-Gremium schafft Schaltsekunde ab.
Host: Dass ausgerechnet ein Fachgremium wie die Generalkonferenz für Maß und Gewicht über unsere Zeitrechnung entscheidet, überrascht mich schon – aber offenbar war die Schaltsekunde einfach nicht mehr zeitgemäß.
Guest: Genau, und das Entscheidende ist ja, dass man künftig viel größere Abweichungen zwischen der astronomischen Zeit und der koordinierten Weltzeit zulässt, bevor überhaupt korrigiert werden muss.
Host: Woran liegt es eigentlich, dass diese beiden Zeiten überhaupt voneinander abweichen?
Guest: Das liegt an der Erdrotation, die eben nicht konstant verläuft. Dadurch driftet die gemessene Atomzeit allmählich von der tatsächlichen Sonnenzeit ab.
Host: Also von der Zeit, die sich am Stand der Sonne orientiert?
Guest: Genau. Und verantwortlich dafür sind vor allem die Gezeitenkräfte des Mondes, die die Erde abbremsen und die Tage dadurch geringfügig verlängern.
Host: Aber gleichzeitig gibt es ja auch einen gegenläufigen Effekt, oder?
Guest: Richtig, das Abschmelzen von Gletschern und Polkappen beschleunigt die Rotation wieder. Und weil sich diese beiden Effekte nicht zuverlässig vorhersagen lassen, musste man die Abweichung bislang nach Bedarf ausgleichen.
Host: Das heißt konkret, es wurde einfach zweimal im Jahr geschaut, ob eine zusätzliche Sekunde nötig ist?
Guest: Ende Juni und Ende Dezember, ja. Seit Einführung des Verfahrens 1972 ist das insgesamt 27 Mal passiert, zuletzt beim Jahreswechsel 2016 auf 2017.
Host: Das klingt erstmal nach einer pragmatischen Lösung. Warum wird sie denn jetzt abgeschafft?
Guest: Weil sie für digitale Systeme zunehmend zum Problem wurde. Der Zeitpunkt einer Schaltsekunde steht ja nicht von vornherein fest, also mussten Computernetzwerke und Datenbanken jedes Mal gezielt darauf vorbereitet werden.
Host: Ich kann mir vorstellen, dass das bei global vernetzten Systemen ziemlich fehleranfällig ist.
Guest: Absolut, und es kam noch ein Szenario hinzu, auf das viele Systeme noch schlechter vorbereitet gewesen wären: eine negative Schaltsekunde, bei der ein Tag um eine Sekunde verkürzt würde.
Host: Das hätte es bisher noch nie gegeben?
Guest: Nein, bislang wurde ausschließlich hinzugefügt, nie verkürzt. Und genau diese Unsicherheit hat letztlich den Ausschlag gegeben.
Host: Wie hat die CGPM ihre Entscheidung denn inhaltlich begründet?
Guest: Sie kam zu dem Schluss, dass eine minimale Differenz zwischen Weltzeit und astronomischer Zeit im Alltag ohnehin keine praktische Bedeutung hat.
Host: Das lässt sich ja eigentlich auch ganz einfach belegen, wenn man an die Zeitzonen denkt.
Guest: Genau das Argument wurde angeführt: Für einen Großteil der Weltbevölkerung weicht die Uhrzeit der eigenen Zeitzone bereits um mehr als eine Stunde vom tatsächlichen Sonnenstand ab.
Host: Deshalb also die neue Schwelle von einer ganzen Stunde?
Guest: Genau, künftig wird eine Abweichung von bis zu einer Stunde toleriert, bevor überhaupt eine Anpassung erforderlich wird.
Host: Und wie würde eine solche Anpassung dann konkret aussehen?
Guest: Das hat die Konferenz interessanterweise offengelassen. Denkbar wäre etwa eine komplette Schaltstunde.
Host: Oder passen einzelne Länder einfach ihre Zeitzonen an?
Guest: Das wäre die Alternative, ähnlich dem bekannten Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit.
Host: Entscheidend ist aber ohnehin eher der neue Zeitrahmen als die konkrete Umsetzung, wenn ich das richtig verstehe.
Guest: Genau, statt alle paar Jahre wird eine Korrektur jetzt erst alle paar Jahrhunderte nötig sein.
Host: Wann würde die erste Anpassung nach dem neuen System denn frühestens anstehen?
Guest: Nach aktuellen Berechnungen erst um das Jahr 3000 – das zeigt, wie weit man das Problem jetzt in die Zukunft verschoben hat.
Host: Das ist ja fast schon beruhigend angesichts der ständigen Debatten um die alte Schaltsekunde.
Guest: Absolut, man hat sich bewusst für Praktikabilität entschieden, auch wenn das bedeutet, dass die Weltzeit künftig minimal ungenauer sein wird als bisher.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!