ListenYourNews
C1
Zweiter Verdächtiger im Nord-Stream-Fall in Kroatien gefasst
Die Polizei hat in Kroatien einen neuen Verdächtigen im Nord-Stream-Fall festgenommen. Der Ukrainer Wolodymyr S. soll als Taucher die Sprengsätze an der Pipeline angebracht haben. Deutschland beantragt jetzt seine Auslieferung.
Start this lesson →
📖 ReadA podcast dialogue written for your level
🎧 ListenNative-sounding audio, adjustable speed
✅ QuizCheck what you understood
🎙 SpeakAn AI teacher corrects your answer
Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Zweiter Verdächtiger im Nord-Stream-Fall in Kroatien gefasst.
Host: Also, in Kroatien wurde jetzt ein zweiter Tatverdächtiger im Fall der gesprengten Nord-Stream-Pipelines festgenommen – das ist doch eine ziemlich überraschende Wendung, oder?
Guest: Absolut, zumal es sich um denselben Mann handelt, gegen den die deutschen Behörden bereits 2024 einen Haftbefehl erwirkt hatten. Er wurde damals in Polen aufgespürt, kam aber wieder frei.
Host: Genau, das wirft ja die Frage auf, warum die polnische Justiz die Auslieferung damals verweigert hat. Was war da eigentlich der Kern der Argumentation?
Guest: Ein Warschauer Gericht vertrat die Auffassung, der Anschlag sei als militärische Handlung im Rahmen eines Krieges zu werten, wofür man keine Einzelperson strafrechtlich belangen könne. Zudem wurde die deutsche Zuständigkeit angezweifelt, weil sich die Explosionen in internationalen Gewässern ereignet haben.
Host: Interessant, dass also nicht nur die Beweislage infrage stand, sondern grundsätzlich die rechtliche Einordnung der Tat als solche.
Guest: Genau, und hinzu kam, dass sich auch der polnische Regierungschef damals öffentlich gegen eine Auslieferung ausgesprochen hat. Insofern war das durchaus eine politisch aufgeladene Entscheidung, nicht nur eine rein juristische.
Host: Wer ist dieser Wolodymyr S. eigentlich? Was wissen wir über seinen Hintergrund?
Guest: Laut Ermittlungsunterlagen war er zuvor Soldat in der ukrainischen Armee und hat danach als Tauchlehrer in Kiew gearbeitet. Den Behörden zufolge soll er als einer der Taucher an der Anbringung der Sprengsätze beteiligt gewesen sein.
Host: Wie sind die Ermittler ihm damals überhaupt auf die Spur gekommen?
Guest: Zur Tatzeit soll er zusammen mit einem weiteren Verdächtigen auf Rügen unterwegs gewesen sein. Ein Blitzerfoto zeigte seinen Lieferwagen in der Nähe des Hafens von Wiek – unweit der Segeljacht, von der aus die Taucher offenbar operiert haben.
Host: Und über das Kennzeichen kam man dann weiter?
Guest: Richtig, die Fahnder gelangten über das Kennzeichen des Lieferwagens an einen Chauffeur, der S. später auf einem Foto wiedererkannt hat. Außerdem stellten die Ermittler an Bord des Bootes Rückstände der Sprengstoffe Hexogen und Oktogen sicher – dieselben Stoffe, die auch in den Sprengsätzen an den Pipelines nachgewiesen wurden.
Host: Das klingt nach einer ziemlich stimmigen Indizienkette. Wie viele Sprengsätze sollen denn insgesamt angebracht worden sein?
Guest: Dem Haftbefehl zufolge soll S. gemeinsam mit weiteren Beteiligten mindestens vier Sprengsätze von jeweils rund 20 bis 35 Kilogramm an den Rohrleitungen befestigt haben.
Host: Zur Erinnerung: Der Anschlag vom September 2022 hat drei der vier Nord-Stream-Röhren zerstört und die Pipelines dauerhaft außer Betrieb gesetzt.
Guest: Genau, und ein weiterer Beschuldigter, der als Kopf der Tätergruppe gilt, wurde ja bereits in Italien festgenommen. Sein Prozess soll demnächst in Hamburg beginnen.
Host: Bleibt eigentlich die Frage, wer den Anschlag überhaupt in Auftrag gegeben hat. Ist das mittlerweile geklärt?
Guest: Nein, das ist bislang nicht restlos aufgeklärt. Im Verdacht steht unter anderem ein früherer Offizier des ukrainischen Geheimdienstes, aber eine endgültige Zuordnung der Verantwortung steht offenbar noch aus.
Host: Deutschland will die Auslieferung jetzt also erneut beantragen. Denkst du, dass Kroatien anders entscheiden wird als seinerzeit Polen?
Guest: Das lässt sich schwer vorhersagen. Allerdings dürfte der Fall diesmal juristisch weniger angreifbar sein, wenn tatsächlich weitere belastende Spuren wie die Sprengstoffrückstände vorliegen. Andererseits zeigt das polnische Beispiel, dass solche Verfahren eben nicht rein juristisch, sondern auch politisch verhandelt werden.
Host: Ein Fall also, der weit über die technische Frage hinausgeht, wer die Sprengsätze angebracht hat, und der letztlich auch zeigt, wie unterschiedlich europäische Staaten mit der rechtlichen Bewertung von Kriegshandlungen umgehen.
Guest: Genau, und solange die Auftraggeber-Frage offenbleibt, bleibt auch die politische Brisanz des gesamten Falls bestehen.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!