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Chemie-Nobelpreis für Kagan und Soai
Henri Kagan und Kenso Soai gewinnen den Chemie-Nobelpreis 2026. Sie forschen zu Spiegelmolekülen und zur asymmetrischen Synthese.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Chemie-Nobelpreis für Kagan und Soai.
Host: Ist es nicht bemerkenswert, dass Henri Kagan mit 95 Jahren einen der ältesten Nobelpreise überhaupt bekommen hat?
Guest: Ja, absolut. Nur John Goodenough war 2019 mit 97 Jahren noch älter, als er ausgezeichnet wurde.
Host: Wofür genau wurden Kagan und Soai denn geehrt?
Guest: Es geht um die sogenannte asymmetrische organische Synthese, genauer gesagt um nichtlineare Effekte und Autokatalyse in diesem Forschungsfeld.
Host: Kannst du erklären, worum es bei diesen Enantiomeren eigentlich geht?
Guest: Viele Moleküle, zum Beispiel Aminosäuren, treten in zwei spiegelbildlichen Formen auf, ähnlich wie die linke und die rechte Hand. Obwohl sie chemisch fast identisch aussehen, können sich ihre Eigenschaften stark unterscheiden.
Host: Und warum ist das so wichtig für lebende Organismen?
Guest: Weil in Zellen meist nur eine der beiden Formen zu bestimmten Andockstellen passt. Die andere Variante kann wirkungslos sein oder sogar schädlich.
Host: Das erinnert mich an den Contergan-Skandal.
Guest: Genau, das ist das bekannteste Beispiel. Während eine Form des Wirkstoffs Thalidomid entzündungshemmend wirkte, verursachte das Spiegelbild schwere Fehlbildungen bei ungeborenen Kindern.
Host: Was war denn Kagans konkreter Beitrag?
Guest: Ihm gelang 1986 in Orsay ein entscheidender Fortschritt, indem er chemische Reaktionen so beeinflusste, dass eine der beiden Molekülvarianten deutlich überwog.
Host: Und Soai, was hat er gemacht?
Guest: Soai veröffentlichte 1995 eine Studie über das theoretische Potenzial einer Reaktion, aus der ausschließlich homochirale Moleküle entstehen könnten. Erst 2003 gelang ihm dann der praktische Nachweis.
Host: Das heißt, zwischen Theorie und Beweis lagen fast acht Jahre?
Guest: Richtig, und genau das zeigt, wie schwierig dieses Forschungsfeld ist, auch wenn die Grundidee schon lange bekannt war.
Host: Wie hat der Nobelkomitee-Vorsitzende Heiner Linke die Leistung bewertet?
Guest: Er bezeichnete sie als spektakulär und sagte, die beiden hätten eine Antwort auf ein jahrhundertealtes Rätsel der Chemie geliefert.
Host: War Soai bei der Verkündung in Stockholm dabei?
Guest: Er wurde per Video zugeschaltet und zeigte sich sichtlich bewegt, dass er sich die Auszeichnung mit Kagan teilt.
Host: Welche praktische Bedeutung haben diese Erkenntnisse denn heute?
Guest: Sie sind sehr bedeutsam für moderne Arzneimittel, da viele Medikamente gezielt als einzelnes wirksames Enantiomer hergestellt werden, damit die gefährliche Variante vermieden wird.
Host: Der Chemiepreis ist ja nur einer von mehreren in dieser Woche.
Guest: Stimmt, davor gab es den Medizinpreis für die Erforschung der Gehirnfunktion mittels Licht und den Physikpreis für hochenergetische Neutrinos. Literatur, Frieden und Wirtschaftswissenschaften folgen noch.
Host: Und wie hoch ist die Auszeichnung in diesem Jahr dotiert?
Guest: Mit zwölf Millionen schwedischen Kronen, also umgerechnet etwa einer Million Euro.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!