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Deutsche Industrie verlagert Produktion zunehmend nach Ungarn
Deutsche Firmen wie KACO bringen ihre Produktion nach Ungarn, weil die Kosten dort niedriger sind. Auch große Autofirmen wie BMW, Audi und Mercedes bauen dort neue Werke.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Deutsche Industrie verlagert Produktion zunehmend nach Ungarn.
Host: Der Dichtungshersteller KACO aus Kirchardt hat in diesem Jahr bereits die vierte Maschinenanlage nach Ungarn gebracht. Was steckt dahinter?
Guest: Vor allem wirtschaftlicher Druck. Ein Großkunde hat seinen Einkaufspreis um zehn Prozent gesenkt, während gleichzeitig Energiekosten und Inflation die Gewinnspanne schmälern. Das Unternehmen fertigt seit 50 Jahren Bauteile für die Automobilindustrie, aber am deutschen Standort wurden zuletzt 174 Arbeitsplätze abgebaut.
Host: Das klingt nach einem Einzelfall. Ist es das?
Guest: Nein, überhaupt nicht. Immer mehr deutsche Industrieunternehmen verlagern ihre Fertigung nach Osteuropa, vor allem nach Ungarn, weil dort niedrigere Löhne und kürzere Lieferwege locken, während die Produktionskosten in Deutschland hoch bleiben und die Nachfrage sinkt.
Host: Gibt es dazu auch Zahlen?
Guest: Ja, eine Umfrage der Unternehmensberatung Horvath unter 1.000 Geschäftsführern zeigt, dass fast 60 Prozent bis 2030 mit weiterem Stellenabbau in Deutschland rechnen. Viele setzen inzwischen auf eine Local-for-Local-Strategie, bei der Waren direkt in den Absatzmärkten produziert werden, damit Lieferketten- und Zollrisiken vermieden werden.
Host: Und wie wirkt sich das auf Osteuropa aus?
Guest: 52 Prozent der Befragten erwarten dort mehr Arbeitsplätze. Besonders die Autoindustrie investiert kräftig: BMW, Audi und Mercedes-Benz haben Milliarden in neue Werke in Ungarn gesteckt. Das größte Mercedes-Werk steht mittlerweile in Kecskemet, wo künftig die elektrische C-Klasse gebaut wird.
Host: Auch chinesische Hersteller sollen sich dort ansiedeln, oder?
Guest: Genau. Der Batteriehersteller CATL baut in Debrecen eine Gigafactory, und BYD errichtet im Süden Ungarns ein Werk, dessen Fahrzeuge ab kommendem Jahr vom Band laufen sollen.
Host: Warum lohnt sich Ungarn für die Autobauer so sehr?
Guest: Mercedes-Chef Ola Källenius hat die Kostenersparnis auf bis zu 70 Prozent gegenüber deutschen Standorten beziffert. Die Arbeitskosten liegen dort im Schnitt bei 15,60 Euro pro Stunde, in Deutschland dagegen bei 49,50 Euro. Außerdem ist die reguläre Wochenarbeitszeit mit 40 Stunden länger als die tarifliche 35-Stunden-Woche der IG Metall, und laut Mercedes fällt auch der Krankenstand deutlich niedriger aus.
Host: Bedeutet das nur schlechte Nachrichten für Deutschland?
Guest: Nicht unbedingt. Ökonomen wie Anita Wölfl vom ifo-Institut sehen trotz der Jobverluste auch eine Chance: Deutschland könnte sich künftig stärker auf jene Bereiche konzentrieren, in denen es besonders wettbewerbsfähig ist.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!