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Deutsche Industrie verlagert Produktion zunehmend nach Ungarn
Deutsche Firmen wie KACO bringen ihre Produktion nach Ungarn, weil die Kosten dort niedriger sind. Auch große Autofirmen wie BMW, Audi und Mercedes bauen dort neue Werke.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Deutsche Industrie verlagert Produktion zunehmend nach Ungarn.
Host: Die Zahlen, die KACO aus Kirchardt liefert, sind schon bemerkenswert – die vierte Maschinenanlage ist dieses Jahr bereits nach Ungarn gewandert.
Guest: Genau, und bis Ende des Jahres soll die Verlagerung sogar vollständig abgeschlossen sein. Das zeigt, wie konsequent dort umstrukturiert wird.
Host: Was war denn der eigentliche Auslöser für diesen Schritt?
Guest: Ein Großkunde hat seinen Einkaufspreis um zehn Prozent gesenkt, während gleichzeitig die Energiekosten und die Inflation die Gewinnspanne des Betriebs immer weiter schmälern. Insofern blieb dem Unternehmen kaum eine andere Wahl.
Host: Das erklärt wohl auch, warum am deutschen Standort in den vergangenen Jahren bereits 174 Arbeitsplätze abgebaut wurden.
Guest: Richtig, und Anfang August kam noch ein weiteres Signal hinzu: Die Geschäftsführung ist aus dem Arbeitgeberverband Südwestmetall ausgetreten. Damit gilt künftig kein IG-Metall-Tarifvertrag mehr.
Host: Das klingt, als sei KACO kein Einzelfall, sondern eher symptomatisch für eine breitere Entwicklung.
Guest: Absolut. Die Umfrage von Horvath unter 1.000 Geschäftsführern deutscher Firmen bestätigt das: Fast 60 Prozent rechnen bis 2030 mit weiterem Stellenabbau in Deutschland.
Host: Und offenbar setzen viele Unternehmen dabei auf eine ganz bestimmte Strategie.
Guest: Ja, die sogenannte Local-for-Local-Strategie, bei der Waren direkt in den jeweiligen Absatzmärkten produziert werden, um Lieferketten- und Zollrisiken zu vermeiden. 52 Prozent der Befragten erwarten dadurch mehr Arbeitsplätze in Osteuropa.
Host: Besonders die Autoindustrie scheint hier vorzupreschen.
Guest: Durchaus, BMW, Audi und Mercedes-Benz haben in Ungarn bereits Milliarden in neue Werke investiert. Das größte Mercedes-Werk steht mittlerweile in Kecskemet, wo künftig die elektrische C-Klasse vom Band laufen soll.
Host: Interessant ist auch, dass sich nicht nur deutsche, sondern zunehmend chinesische Hersteller dort ansiedeln.
Guest: Stimmt, der Batteriehersteller CATL baut in Debrecen eine Gigafactory, während BYD im Süden Ungarns ein Werk errichtet, dessen Fahrzeuge bereits ab kommendem Jahr produziert werden sollen.
Host: Wie stark rechnet sich das denn tatsächlich für die Konzerne?
Guest: Mercedes-Chef Ola Källenius bezifferte die Kostenersparnis in Ungarn auf bis zu 70 Prozent gegenüber deutschen Standorten – eine gewaltige Differenz.
Host: Woran liegt das konkret?
Guest: Zum einen an den Arbeitskosten: Die liegen in Ungarn im Schnitt bei 15,60 Euro pro Stunde, während sie in Deutschland bei 49,50 Euro liegen. Zum anderen an der Arbeitszeit – in Ungarn gilt eine reguläre 40-Stunden-Woche, während die IG Metall in Deutschland tariflich nur 35 Stunden durchgesetzt hat.
Host: Gibt es noch weitere Faktoren, die dabei eine Rolle spielen?
Guest: Laut Mercedes fällt zudem der Krankenstand in Ungarn deutlich niedriger aus als hierzulande, was die Produktivität zusätzlich begünstigt.
Host: Das wirkt insgesamt wie eine ziemlich düstere Entwicklung für den deutschen Standort.
Guest: Zwar sind die Jobverluste real und schmerzhaft, allerdings sehen Ökonomen wie Anita Wölfl vom ifo-Institut darin auch eine Chance.
Host: Inwiefern eine Chance?
Guest: Deutschland könnte sich künftig stärker auf jene Bereiche konzentrieren, in denen es tatsächlich besonders wettbewerbsfähig ist, anstatt an allen Fronten gleichzeitig mitzuhalten.
Host: Das würde bedeuten, dass die Verlagerung nicht zwangsläufig als reiner Niedergang zu deuten ist, sondern auch als eine Art Neuausrichtung.
Guest: Genau das ist der Gedanke – eine Fokussierung auf Stärken, während weniger wettbewerbsfähige Fertigungsschritte eben dorthin wandern, wo sie kostengünstiger produziert werden können.
Host: Trotzdem bleibt die Frage, wie viele Arbeitsplätze in Deutschland dadurch letztlich verloren gehen, bis diese Umstrukturierung tatsächlich greift.
Guest: Diese Frage lässt sich derzeit kaum seriös beantworten, aber die Umfrageergebnisse deuten zumindest darauf hin, dass der Trend in den kommenden Jahren eher noch anhalten dürfte, folglich dürften wir hier noch nicht am Ende der Entwicklung stehen.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!