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Deutscher Buchpreis 2026 geht an Shida Bazyar
Shida Bazyar gewinnt den Deutschen Buchpreis 2026 für ihren Roman "Die Lücken". Das Buch erzählt von einem fiktiven Dorf und der NS-Zeit. In ihrer Rede spricht Bazyar über Rassismus und Antisemitismus.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Deutscher Buchpreis 2026 geht an Shida Bazyar.
Host: Dieser Roman klingt auf den ersten Blick wie ein klassischer Heimatroman, aber die Jury hat ihn ja gerade als Gegenentwurf dazu gelobt – was genau macht "Die Lücken" so anders?
Guest: Nun, zunächst täuscht der Titel tatsächlich über die Tiefe des Buches hinweg. Bazyar nimmt sich ein fiktives Dorf namens Heimesbach im Hunsrück vor und gräbt dessen Vergangenheit aus der NS-Zeit aus, wobei sie konsequent zwei Perspektiven gegenüberstellt: die der jüdischen Familien, die vertrieben, deportiert und ermordet wurden, und die jener Dorfbewohner, die vom Regime profitiert haben. Insofern bricht sie mit der Idylle, die man traditionell mit dem Genre verbindet.
Host: Und dann kommt noch eine zweite Zeitebene hinzu, oder? Die iranischen Familien in den Achtzigern.
Guest: Genau, das ist der eigentliche Kunstgriff. Zwei iranische Familien ziehen in den 1980er-Jahren in denselben Ort und machen dort eigene Erfahrungen mit Ausgrenzung – obwohl die historischen Umstände völlig andere sind. Dadurch entsteht eine Art Echo zwischen den Zeiten, ohne dass die Autorin die Erfahrungen gleichsetzt.
Host: Am Ende stellt sich ja heraus, dass das alles nicht ganz erfunden ist.
Guest: Richtig, am Schluss wird klar, dass Heimesbach für Bazyars tatsächlichen Geburtsort Hermeskeil in Rheinland-Pfalz steht und die Handlung auf realen Personen beruht. Das verändert die Lesart rückwirkend natürlich enorm.
Host: Das passt ja auch zu ihrer eigenen Biografie – sie wurde 1988 dort geboren, nachdem ihre Eltern ein Jahr zuvor aus dem Iran geflohen waren.
Guest: Genau, vor der Verfolgung durch das Mullah-Regime. Insofern ist der Roman wohl auch ein Stück weit autobiografisch gerahmt, auch wenn er als Fiktion daherkommt.
Host: Was mich an der Dankesrede besonders beeindruckt hat, war, wie wenig sie sich auf reine Dankbarkeit beschränkt hat.
Guest: Ja, sie hat ziemlich deutlich gemacht, dass es ihr schwerfällt, sich über einen Preis zu freuen, der ein derart ernstes Thema würdigt, zumal antisemitische und rassistische Straftaten gerade einen Höchststand erreichen. Das ist eine bemerkenswert unbequeme Position für einen solchen Festakt.
Host: Und sie hat ja auch direkt auf die aktuelle politische Debatte verwiesen.
Guest: Genau, sie warnte davor, dass in Deutschland wieder über Deportationen gesprochen werde, wenn auch unter anderen Begriffen – eine klare Anspielung auf die Forderung der AfD nach sogenannter "Remigration". Dabei ging es ihr offenbar weniger um parteipolitische Zuspitzung als um eine historische Warnung.
Host: Das Zitat von Hannah Arendt, das sie dabei verwendet hat, war ja auch kein Zufall.
Guest: Nein, überhaupt nicht. Arendt hatte sinngemäß festgestellt, dass nach 1933 nicht das Handeln der Feinde das eigentliche Problem gewesen sei, sondern das Verhalten der eigenen Freunde. Damit rief Bazyar letztlich zum Widerstand im Kleinen auf, nicht nur zur Empörung über die offensichtlichen Gegner.
Host: Dass die Verleihung am Vorabend der Frankfurter Buchmesse stattfand, ist ja auch kein Zufall, oder?
Guest: Stimmt, der Deutsche Buchpreis gilt traditionell als Gradmesser dafür, wie viel Aufmerksamkeit ein Buch während der Messe bekommt, die am folgenden Dienstag offiziell eröffnet wird. Mit 25.000 Euro ist er zwar nicht der höchstdotierte Literaturpreis, aber eben der bedeutendste für deutschsprachige Literatur.
Host: Und sie hat sich damit gegen fünf weitere Shortlist-Titel durchgesetzt – bei ihrem bereits dritten Roman.
Guest: Genau, was zeigt, dass die Jury hier nicht ein Debüt gefeiert hat, sondern eine bereits etablierte literarische Stimme, die mit diesem Buch offenbar noch einmal eine neue Ebene erreicht hat.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!