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Dienstleistungssektor verliert erstmals seit Corona-Krise Beschäftigte
Der Dienstleistungssektor in Deutschland verliert zum ersten Mal seit der Corona-Krise Beschäftigte. Der öffentliche Dienst wächst, aber Industrie und Handel verlieren Arbeitsplätze. Viele Unternehmen schließen, weil Chefs in Rente gehen und keine Nachfolge finden.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Dienstleistungssektor verliert erstmals seit Corona-Krise Beschäftigte.
Host: Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts sind schon bemerkenswert, oder? Zum ersten Mal seit der Corona-Krise geht die Beschäftigung im Dienstleistungssektor tatsächlich zurück.
Guest: Genau, und obwohl der Rückgang mit 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal auf den ersten Blick minimal wirkt, ist die Symbolik enorm, weil der Dienstleistungssektor jahrelang als verlässlicher Stabilitätsanker der deutschen Wirtschaft galt.
Host: Innerhalb des Sektors gibt es aber offenbar große Unterschiede, oder? Handel, Verkehr und Gastgewerbe haben es besonders hart getroffen.
Guest: Ja, dort sank die Beschäftigung um 1,1 Prozent, während gleichzeitig der öffentliche Dienst, also Bereiche wie Bildung und Gesundheit, sogar um 1,5 Prozent zulegte. Insofern zeigt sich eine deutliche Zweiteilung: Der Staat wächst, während konsumnahe Branchen schrumpfen.
Host: Wie viele Menschen waren insgesamt im zweiten Quartal erwerbstätig?
Guest: Rund 45,7 Millionen. Saisonbereinigt bedeutet das allerdings ein Minus von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal und sogar von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr - ein Trend, der sich also verfestigt, statt sich abzuschwächen.
Host: Und außerhalb des Dienstleistungssektors sieht es offenbar noch düsterer aus?
Guest: Deutlich düsterer. Am Bau sank die Beschäftigtenzahl um 0,7 Prozent, in der Land- und Forstwirtschaft um 1,5 Prozent, und die Industrie verzeichnete mit minus 2,0 Prozent den stärksten Rückgang überhaupt.
Host: Hängt das mit den vielen Betriebsschließungen zusammen, von denen man zuletzt gehört hat?
Guest: Absolut. Allein im vergangenen Jahr gaben in der Industrie rund 11.000 Unternehmen auf, zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. Patrik-Ludwig Hantzsch von der Auskunftei Creditreform spricht in diesem Zusammenhang von einer Art Zangenangriff auf die deutsche Wirtschaft.
Host: Was meint er damit genau?
Guest: Dass geopolitische Krisen wie der Iran-Konflikt und die US-Zölle von außen auf die Unternehmen einwirken, während sie gleichzeitig im Inland mit hohen Energiekosten und einer starken Bürokratie zu kämpfen haben. Von zwei Seiten also, daher das Bild der Zange.
Host: Gibt es Zahlen dazu, wie viele Unternehmen insgesamt geschlossen haben, nicht nur in der Industrie?
Guest: Eine gemeinsame Untersuchung von Creditreform und dem ZEW kommt auf 187.744 Unternehmensschließungen im Jahr 2025 - so viele wie seit fast 20 Jahren nicht mehr und knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr.
Host: Das klingt dramatisch. Waren das überwiegend Insolvenzen?
Guest: Überraschenderweise nicht. Nur 13 Prozent der fast 190.000 erfassten Fälle gingen tatsächlich auf ein Insolvenzverfahren zurück. Die Mehrheit der Schließungen hatte also andere Ursachen.
Host: Welche denn?
Guest: Laut der ZEW-Forscherin Sandra Gottschalk liegt es zunehmend daran, dass Inhaberinnen und Inhaber in Rente gehen und schlicht keine Nachfolge finden. Mittlerweile betrifft das fast ein Drittel aller freiwilligen Betriebsaufgaben.
Host: Ein Generationenproblem also, mehr als ein reines Konjunkturproblem.
Guest: Genau, wobei sich beides natürlich überschneidet. Besonders hart getroffen hat es das Gastgewerbe: 2025 schlossen dort etwa 15.000 Restaurants und Beherbergungsbetriebe, ein Anstieg von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Host: Reagiert die Politik darauf?
Guest: Seit Jahresbeginn 2026 gilt in der Gastronomie ein reduzierter Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen, um die Branche zu entlasten. Ob das ausreicht, um den Trend umzukehren, bleibt allerdings abzuwarten.
Host: Und im Gesundheitswesen, das ja eigentlich zu den wachsenden Bereichen zählt?
Guest: Dort setzt sich trotzdem ein langjähriger Trend fort: Knapp 11.000 Einrichtungen schlossen im vergangenen Jahr, darunter etwa 5.500 Arztpraxen - ein Anstieg von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Host: Auch dort wegen fehlender Nachfolge?
Guest: In vielen Fällen ja. Ärztinnen und Ärzte finden schlicht keinen Nachfolger für ihre Praxis, obwohl der Bedarf an medizinischer Versorgung eigentlich steigt. Das ist insofern paradox, als der Sektor insgesamt wächst, während einzelne Praxen verschwinden.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!