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Diesel bleibt trotz sinkender Ölpreise teuer
Diesel und Benzin werden in Deutschland teurer, obwohl der Ölpreis sinkt. Der Grund sind teure Raffinerien und weniger Diesel aus Russland und dem Nahen Osten.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Diesel bleibt trotz sinkender Ölpreise teuer.
Host: Obwohl der Ölpreis seit seinem Kriegshoch spürbar gefallen ist, wird Diesel an den deutschen Tankstellen immer teurer – wie passt das zusammen?
Guest: Genau das ist der auffällige Punkt: Seit Anfang Juli hat sich Diesel im bundesweiten Durchschnitt um rund 34 Cent je Liter verteuert, Super E10 immerhin um etwa 20 Cent.
Host: Liegt das nicht einfach am Ende des staatlichen Tankrabatts, der ja Ende Juni ausgelaufen ist?
Guest: Der Wegfall der 17 Cent erklärt nur einen Teil des Anstiegs, der Rest hat andere Ursachen. Bemerkenswert ist zudem, dass Diesel inzwischen wieder teurer ist als Benzin, obwohl er steuerlich begünstigt wird.
Host: Woran liegt das denn, wenn es nicht am Rohölpreis selbst liegt?
Guest: Laut Commerzbank-Rohstoffexpertin Thu Lan Nguyen steckt der eigentliche Kostentreiber in der Weiterverarbeitung. Tankstellen kaufen ja kein Rohöl, sondern fertigen Kraftstoff, der erst in Raffinerien hergestellt werden muss.
Host: Und dort klemmt es gerade?
Guest: Ganz erheblich sogar. Der sogenannte Diesel-Crack-Spread, also der Preisaufschlag von Diesel gegenüber Rohöl, liegt derzeit bei über 90 Dollar je Barrel – nahe einem Rekordwert.
Host: Das ist ja beachtlich. Bestätigt das auch die Internationale Energieagentur?
Guest: Ja, die IEA meldet für Diesel, Kerosin und Benzin im Atlantikraum Rekord-Raffineriemargen und bezeichnet die Raffinerien inzwischen als zentralen Engpass am gesamten Ölmarkt.
Host: Wie kommt es überhaupt zu dieser weltweiten Verknappung?
Guest: Im Zuge des Kriegs zwischen Israel und dem Iran wurden Raffinerien beschädigt oder aus Sicherheitsgründen abgeschaltet, während gleichzeitig die Lage an der Straße von Hormus den Schiffsverkehr einschränkt.
Host: Spielen auch die Angriffe auf russische Anlagen eine Rolle?
Guest: Durchaus, ukrainische Drohnenangriffe haben zusätzlich russische Raffinerien getroffen. Nach IEA-Angaben lagen die Dieselexporte aus Russland, dem Nahen Osten und Asien im Juli um 1,3 Millionen Barrel täglich unter dem Vorjahreswert.
Host: Wie viel ist das im Verhältnis zum weltweiten Handel?
Guest: Immerhin rund ein Fünftel des gesamten weltweiten Seehandels mit Diesel – insofern ist das kein Randphänomen, sondern verschärft die Lage spürbar.
Host: Kommt seit Kurzem nicht auch noch ein russischer Exportstopp hinzu?
Guest: Genau, seit dem 8. Juli verschärft dieser Stopp die Situation zusätzlich. Deutschland bezieht zwar selbst keinen russischen Diesel mehr, steht laut Nguyen aber in direkter Konkurrenz mit asiatischen Abnehmern um die knapper werdenden Lieferungen aus dem Nahen Osten.
Host: Gibt es daneben auch noch ein hausgemachtes deutsches Problem?
Guest: Ja, das Niedrigwasser im Rhein verteuert derzeit den Transport von Kraftstoffen und treibt dadurch regional die Preise, wie DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater erläutert.
Host: Hatten wir so etwas nicht schon einmal?
Guest: Ähnliche Effekte gab es bereits im heißen Sommer 2018, allerdings waren sie damals zeitlich begrenzt.
Host: Wie sieht es beim Rohölpreis selbst aus, ist der wenigstens rückläufig?
Guest: Der Brent-Preis ist von über 126 Dollar je Barrel Ende April auf aktuell rund 96 Dollar gefallen, folglich also durchaus deutlich gesunken.
Host: Wird das so bleiben?
Guest: Kater zufolge dürfte der Preis bis ins kommende Jahr eher zwischen 80 und 100 Dollar verharren, weil über die Straße von Hormus weiterhin weniger Öl fließt als vor dem Krieg.
Host: Gibt es weitere Risiken, etwa aus den USA?
Guest: Durchaus. Die US-Raffinerien sind laut Energiebehörde EIA bereits zu mehr als 96 Prozent ausgelastet, während die Diesel- und Heizöl-Vorräte Ende Juli mit rund 107 Millionen Barrel den niedrigsten Stand für diese Jahreszeit seit 30 Jahren erreichten.
Host: Was würde passieren, wenn die USA ihre Exporte im Winter drosseln?
Guest: Sollten die zuletzt gestiegenen US-Exporte wegen steigender Heizölnachfrage im Winter zurückgefahren werden, könnte sich die weltweite Angebotsknappheit bei Diesel nach Einschätzung von Nguyen noch weiter verschärfen.
Host: Also insgesamt ein ziemlich fragiles Gleichgewicht zwischen Raffineriekapazität, geopolitischen Störungen und saisonaler Nachfrage.
Guest: Genau, und solange die Raffinerien der eigentliche Flaschenhals bleiben, dürfte sich das an den Zapfsäulen kaum entspannen – selbst wenn der Rohölpreis weiter nachgibt.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!