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Friedenspreisträger Sands fordert Kritik an Israels Vorgehen in Gaza
Philippe Sands bekam den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Paulskirche in Frankfurt. In seiner Rede forderte er klare Kritik an Israels Vorgehen in Gaza und im Westjordanland.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Friedenspreisträger Sands fordert deutliche Kritik an Israels Vorgehen in Gaza.
Host: Philippe Sands hat am 11. Oktober in der Paulskirche nicht einfach eine Dankesrede gehalten, sondern direkt eine politische Forderung formuliert – wie kam das bei der Verleihung des Friedenspreises an?
Guest: Er appellierte ziemlich unmissverständlich, Verletzungen des Völkerrechts grundsätzlich nicht zu übergehen, unabhängig davon, von wem sie begangen werden. Konkret forderte er, auch das Vorgehen Israels im Gazastreifen und im Westjordanland offen zu benennen und zu kritisieren.
Host: Das ist insofern bemerkenswert, als er dabei gerade auf Deutschland verwiesen hat, oder?
Guest: Genau, er betonte, Deutschland habe sich wie kaum ein anderes Land intensiv mit den eigenen historischen Verbrechen auseinandergesetzt und entsprechende Gräueltaten öffentlich verurteilt. Beim Thema Israel und den palästinensischen Gebieten herrsche dagegen bis heute ein auffälliges Schweigen.
Host: Hat er sich gegen den Vorwurf abgesichert, man könnte ihm Antisemitismus unterstellen?
Guest: Ja, das war ihm offenbar wichtig. Er stellte klar, dass Kritik an israelischem Handeln weder antisemitisch noch grundsätzlich israelfeindlich sei, sondern schlicht sachliche Wahrheit – also keine ideologische Position, sondern eine juristisch begründete Feststellung.
Host: Und wie hat er das konkret formuliert?
Guest: Er sagte, dass sowohl am 7. Oktober auf israelischem Gebiet als auch anschließend in Gaza und im Westjordanland Völkerstraftaten verübt worden seien. Er bezog also beide Seiten in die juristische Bewertung ein, legte den Schwerpunkt allerdings darauf, dass die eine Seite seiner Ansicht nach zu wenig benannt wird.
Host: Wurde das im Publikum geschlossen mitgetragen?
Guest: Keineswegs. Nicht alle Anwesenden applaudierten dieser Passage, darunter auch Bundespräsident Steinmeier. Das zeigt, wie kontrovers diese Forderung selbst in diesem Rahmen aufgenommen wurde.
Host: Gab es denn auch ausdrückliche Zustimmung?
Guest: Durchaus. Hessens Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels von der SPD würdigte die Ausführungen als wichtigen Hinweis auf die Bedeutung von Völkerrecht und Menschenrechten für alle Seiten gleichermaßen.
Host: Woher nimmt Sands diese Haltung eigentlich? Was wissen wir über seinen persönlichen Hintergrund?
Guest: Er wurde 1960 in London in eine jüdische Familie geboren und verlor zahlreiche Angehörige im Holocaust. Entscheidend war allerdings, dass in seiner Familie lange über dieses Trauma geschwiegen wurde – und genau dieses Schweigen hat ihn stark geprägt.
Host: Hat ihn das zu konkreten Recherchen geführt?
Guest: Ja, er begann, seinen Familienwurzeln in der ukrainischen Stadt Lemberg nachzugehen. Dabei stieß er auf die Biografien der Juristen Hersch Lauterpacht und Raphael Lemkin, die nach 1945 die Rechtsbegriffe für Verbrechen gegen die Menschlichkeit und für Genozid überhaupt erst geformt haben.
Host: Das erklärt wohl auch seinen späteren Berufsweg.
Guest: Absolut, seine Arbeit als Menschenrechtsanwalt am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag sowie sein schriftstellerisches Wirken versteht er explizit als Gegenentwurf zu diesem familiären Schweigen.
Host: Wer hat die Laudatio gehalten, und wer war sonst noch bei der Verleihung dabei?
Guest: Die Laudatio hielt die österreichische Historikerin Mirjam Zadoff, Leiterin des NS-Dokumentationszentrums München. Die Urkunde überreichte Sebastian Guggolz vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, und unter den Gästen waren neben Steinmeier auch Bundesjustizministerin Stefanie Hubig, Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour und Minister Gremmels.
Host: Gab es auch einen Bezug zur Frankfurter Geschichte selbst?
Guest: Ja, Oberbürgermeister Mike Josef erinnerte in seiner Begrüßung an den früheren hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der ab 1963 den Frankfurter Auschwitzprozess initiiert hatte – eine passende Rahmung für eine Rede, in der es letztlich um die Frage ging, wie konsequent man juristische Aufarbeitung von Verbrechen verfolgt, egal wer sie begeht.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!