ListenYourNews
C1
Lufthansa bekommt Anteile an TAP
Portugal wählt Lufthansa als neuen Partner für die Fluggesellschaft TAP. Lufthansa kauft 44,9 Prozent der Anteile für rund 1,2 Milliarden Euro.
Start this lesson →
📖 ReadA podcast dialogue written for your level
🎧 ListenNative-sounding audio, adjustable speed
✅ QuizCheck what you understood
🎙 SpeakAn AI teacher corrects your answer
Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Lufthansa erhält Zuschlag für Anteile an Portugals TAP.
Host: Die portugiesische Regierung hat sich tatsächlich für Lufthansa entschieden und nicht für Air France-KLM – ein Ausgang, der in dieser langwierigen Privatisierungsgeschichte keineswegs selbstverständlich war.
Guest: Ja, und bemerkenswert ist, dass die Entscheidung keineswegs knapp ausfiel. Montenegro erklärte, das Angebot von Air France-KLM habe rund 16 Prozent unter dem von Lufthansa gelegen.
Host: Immerhin geht es um 44,9 Prozent der Anteile für etwa 1,2 Milliarden Euro – und das vollständig in bar, nicht über Aktienpakete.
Guest: Genau, das unterscheidet dieses Geschäft von vielen anderen Übernahmen, bei denen häufig Aktien als Zahlungsmittel dienen. Insofern signalisiert Lufthansa hier eine gewisse finanzielle Entschlossenheit.
Host: Allerdings wird der tatsächliche Einstieg noch dauern, oder? Ich meine, erst 2028 soll das Verfahren wirklich abgeschlossen sein.
Guest: Richtig, denn nach den Vertragsverhandlungen muss die EU-Kommission das Geschäft kartellrechtlich prüfen, und dieses Verfahren kann laut portugiesischer Regierung 18 bis 24 Monate in Anspruch nehmen.
Host: Das ist eine ziemlich lange Hängepartie für ein Unternehmen, das wirtschaftlich ohnehin unter Druck steht.
Guest: Absolut. TAP verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 99,2 Millionen Euro, vor allem wegen gestiegener Kerosinpreise.
Host: Während die Betriebserlöse aber trotzdem gestiegen sind, wenn ich das richtig im Kopf habe.
Guest: Ja, um 4,3 Prozent auf rund 2,04 Milliarden Euro. Zudem beförderte die Fluggesellschaft mit 8,2 Millionen Passagieren 4,2 Prozent mehr Reisende als im Vorjahr.
Host: Das wirkt fast widersprüchlich: steigende Erlöse und steigende Passagierzahlen, aber trotzdem ein deutlicher Verlust.
Guest: Es zeigt eben, wie stark gestiegene Kerosinkosten das operative Geschäft belasten können, selbst wenn die Nachfrage eigentlich positiv wächst.
Host: Was macht TAP für Lufthansa denn strategisch so attraktiv, abgesehen vom reinen Marktanteil in Europa?
Guest: Vor allem das Streckennetz. TAP fliegt nach Lateinamerika, insbesondere nach Brasilien, außerdem in portugiesischsprachige Länder Afrikas und in die USA – Verbindungen, die Lufthansa bislang in dieser Form nicht hatte.
Host: Und Lissabon soll wohl als Drehkreuz gestärkt werden, während gleichzeitig Porto ausgebaut werden soll.
Guest: Genau das hat der Konzern angekündigt. Gleichzeitig soll TAP ihre nationale Identität als Marke behalten – ähnlich wie es bei anderen Lufthansa-Tochtergesellschaften gehandhabt wird.
Host: Das heißt, es wird keine Verschmelzung unter der Lufthansa-Marke geben, sondern eher ein Modell wie bei Swiss oder Austrian.
Guest: Genau dieses Modell. Zusätzlich plant die Wartungstochter Lufthansa Technik den Bau einer Reparatur- und Instandhaltungsanlage in Santa Maria da Feira.
Host: Mit wie vielen neuen Arbeitsplätzen wird dort eigentlich gerechnet?
Guest: Mit rund 700. Das dürfte politisch nicht unerheblich gewesen sein für die Entscheidung Lissabons.
Host: Apropos politisch: Der portugiesische Staat verstaatlichte TAP ja bereits 2020, während der Pandemie, um die Airline vor der Insolvenz zu bewahren.
Guest: Und trotz der Teilprivatisierung soll die Mehrheit der Anteile beim Staat verbleiben. Insofern bleibt der politische Einfluss erhalten, auch wenn Lufthansa operativ künftig mitgestaltet.
Host: Wie fügt sich dieser Deal eigentlich in Lufthansas europäische Beteiligungsstrategie insgesamt ein?
Guest: Sehr stimmig, würde ich sagen. Der Konzern hält bereits 41 Prozent an der italienischen ITA und will diesen Anteil 2027 über eine Option sogar auf 90 Prozent erhöhen.
Host: Dazu kommen ja noch die früheren Staatsairlines der Schweiz, Österreichs und Belgiens, die ebenfalls zur Gruppe gehören.
Guest: Richtig, TAP würde sich also in eine ganze Reihe von Beteiligungen einfügen, mit denen Lufthansa sein europäisches Netzwerk konsequent erweitert.
Host: Man könnte also sagen, dass Lufthansa hier weniger eine einzelne Fluggesellschaft kauft, sondern vielmehr strategischen Zugang zu einem ganzen Streckennetz.
Guest: Genau, und angesichts einer Flotte von mehr als 100 Flugzeugen sowie rund 9.400 Beschäftigten übernimmt Lufthansa damit zugleich eine beträchtliche operative Verantwortung.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!