ListenYourNews
B2
Österreich streitet über längeren Wehr- und Zivildienst
Österreich will den Wehrdienst um drei Monate und den Zivildienst um zwei Monate verlängern. Für die Reform braucht die Regierung eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. FPÖ, Grüne und Hilfsorganisationen reagieren unterschiedlich.
Start this lesson →
📖 ReadA podcast dialogue written for your level
🎧 ListenNative-sounding audio, adjustable speed
✅ QuizCheck what you understood
🎙 SpeakAn AI teacher corrects your answer
Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Österreich streitet über längeren Wehr- und Zivildienst.
Host: In Österreich hält man im Unterschied zu Deutschland an der allgemeinen Wehrpflicht fest, und jetzt steht eine Reform an, die sowohl den Wehr- als auch den Zivildienst betrifft. Wie sieht der aktuelle Stand aus?
Guest: Bisher dauert der Grundwehrdienst sechs Monate, der Zivildienst neun Monate. Die Regierung will den Wehrdienst nun um drei Monate verlängern, damit mehr Zeit für Truppenübungen bleibt.
Host: Und was ist mit dem Zivildienst geplant?
Guest: Bundeskanzler Christian Stocker von der ÖVP hat angekündigt, dass parallel dazu auch der Zivildienst länger dauern soll – zunächst auf freiwilliger Basis um zwei Monate.
Host: Das klingt erstmal moderat. Gibt es da noch mehr?
Guest: Ja, falls sich zu wenige Männer freiwillig für das Bundesheer melden, greift laut Stocker ein automatischer Mechanismus, der den Zivildienst gesetzlich verpflichtend auf elf Monate ausdehnt.
Host: Also soll dadurch der Anreiz erhöht werden, sich lieber für den Wehrdienst zu entscheiden, statt für den Zivildienst?
Guest: Genau, das ist die Logik dahinter. Allerdings ist für die Reform im Parlament eine Zweidrittelmehrheit nötig, weshalb die Regierung auf die Opposition angewiesen ist.
Host: Wie reagieren denn die anderen Parteien?
Guest: Die teils rechtsextreme FPÖ verlangt eine noch deutlichere Verlängerung beider Dienste. Die Grünen lehnen dagegen eine Ausweitung grundsätzlich ab.
Host: Was kritisieren die Grünen genau?
Guest: Ihr verteidigungspolitischer Sprecher David Stögmüller bemängelt vor allem die Unsicherheit für junge Männer, die derzeit nicht wüssten, ob sie etwa 2027 oder 2030 länger dienen müssten.
Host: Und wie sehen die Organisationen das, die Zivildienstleistende beschäftigen?
Guest: Da fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. Der größte Träger, das Rote Kreuz, zeigt sich gelassen. Generalsekretär Michael Opriesnig betont vor allem, dass überhaupt eine politische Einigung zustande kommt.
Host: Und beim zweitgrößten Träger?
Guest: Beim Arbeiter-Samariter-Bund hätte man sich direkt eine verpflichtende Verlängerung auf zwölf Monate gewünscht. Daniel Unger verweist darauf, dass die Zahl der Zivildienstleistenden stagniere, während der Bedarf im Sozial- und Gesundheitsbereich weiter steige.
Host: Gibt es auch inhaltliche Vorschläge, wie der Zivildienst künftig aussehen sollte?
Guest: Der Verteidigungsexperte Walter Feichtinger, der in einer Reformkommission mitgearbeitet hat, fordert eine inhaltliche Neuausrichtung. Der Zivildienst solle weniger als Ersatz für fehlende Arbeitskräfte im Sozialbereich dienen, sondern stärker dem Zivilschutz und der Katastrophenhilfe gewidmet sein.
Host: Wofür könnten die zusätzlichen Monate dann konkret genutzt werden?
Guest: Sie könnten etwa für entsprechende Übungen im Bereich Katastrophenhilfe genutzt werden. Bevor die Reform aber umgesetzt werden kann, müssen die Parteien erst noch verhandeln, um die notwendige Zweidrittelmehrheit zu erreichen.
Host: Es bleibt also spannend, ob und wie diese Einigung tatsächlich gelingt.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!