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Schlechte Kartoffelernte treibt Preise nach oben
Die Kartoffelernte in Deutschland ist 2026 viel kleiner als sonst. Deshalb sind die Preise für Kartoffeln stark gestiegen.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Schlechte Kartoffelernte treibt Preise nach oben.
Host: Die Zahlen sind schon beachtlich: Im September mussten Verbraucherinnen und Verbraucher laut Statistischem Bundesamt 11,3 Prozent mehr für Kartoffeln bezahlen als im Vorjahresmonat – und das, während die allgemeine Teuerungsrate im selben Zeitraum nur bei 3,3 Prozent lag. Woran liegt diese enorme Diskrepanz?
Guest: Das hängt ganz klar mit der diesjährigen Ernte zusammen, die deutlich schwächer ausfällt als gewohnt. Während die Landwirte 2025 mit rund 13,9 Millionen Tonnen eine außergewöhnlich ertragreiche Saison hatten, rechnen Experten für 2026 nach vorläufigen Zahlen nur noch mit etwa 10,4 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Rückgang von ungefähr einem Viertel – insofern ist der Preisanstieg eigentlich keine Überraschung.
Host: Ein Viertel weniger ist ja kein kleiner Einbruch. Gab es so etwas in den letzten Jahren schon einmal?
Guest: Eine derart geringe Erntemenge gab es zuletzt 2018, als lediglich 8,9 Millionen Tonnen eingebracht wurden. Allerdings liegt die aktuelle Prognose von 10,4 Millionen Tonnen immer noch etwas darüber, sodass man nicht von einem historischen Tiefstand sprechen kann, wohl aber von der schwächsten Ernte seit acht Jahren.
Host: Was genau hat denn zu diesem Rückgang geführt? Vermutlich spielt nicht nur ein Faktor eine Rolle.
Guest: Tatsächlich lassen sich zwei Ursachen benennen. Zum einen wurde die Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr um 11,1 Prozent reduziert. Zum anderen sorgte die anhaltende Trockenheit des Sommers dafür, dass die Knollen kleiner blieben als sonst. Statt durchschnittlich 46 Tonnen pro Hektar im Vorjahr ernteten die Betriebe diesmal nur noch rund 38,9 Tonnen pro Hektar.
Host: Das heißt, weniger Fläche und zugleich ein schwächerer Ertrag pro Hektar – ein doppelter Effekt also.
Guest: Genau, und dieser doppelte Effekt schlägt sich auch auf der Erzeugerseite nieder, sogar noch deutlicher als bei den Verbraucherpreisen. Landwirte erhielten im August bereits 61,5 Prozent mehr Geld für ihre Kartoffeln als im Vorjahresmonat – der stärkste Anstieg der Erzeugerpreise für dieses Produkt seit drei Jahren.
Host: 61,5 Prozent auf Erzeugerebene, aber nur 11,3 Prozent beim Verbraucher – das ist eine erstaunliche Lücke. Wie passt das zusammen?
Guest: Es zeigt zumindest, dass der Preisschub bei den Erzeugern deutlich stärker ausfällt als das, was letztlich bei den Kundinnen und Kunden ankommt. Zum Vergleich: Für pflanzliche Erzeugnisse insgesamt stiegen die Erzeugerpreise im gleichen Zeitraum lediglich um 12,3 Prozent, die Kartoffel sticht also auch dort besonders heraus.
Host: Trotz all dieser Zahlen würde ich nicht automatisch annehmen, dass Deutschland jetzt Kartoffeln importieren muss. Oder doch?
Guest: Nein, ganz im Gegenteil. Laut vorläufigen Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung lag der Selbstversorgungsgrad im Wirtschaftsjahr 2024/25 bei 145 Prozent. Deutschland bleibt also weiterhin mehr als selbstversorgt, und ein erheblicher Teil der heimischen Produktion wird demnach gar nicht im Inland verzehrt, sondern ins Ausland exportiert.
Host: Das relativiert die Knappheit also ein Stück weit – es geht offenbar eher um einen Angebotsrückgang innerhalb eines ohnehin komfortablen Puffers als um eine echte Versorgungskrise.
Guest: So lässt es sich zusammenfassen, ja. Interessant ist dabei allerdings, dass der Preisanstieg bei verarbeiteten Tiefkühlprodukten wie Pommes frites oder Kroketten bislang überhaupt nicht angekommen ist. Dort lagen die Preise zuletzt sogar 4,7 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats.
Host: Das wirkt im ersten Moment widersprüchlich: Die Rohware wird teurer, während das verarbeitete Produkt sogar günstiger wird.
Guest: Genau dieser Kontrast macht die Situation so bemerkenswert. Während frische Kartoffeln und die Erzeugerpreise deutlich anziehen, folgt die Tiefkühlware diesem Trend bislang gar nicht – ein Befund, der zeigt, dass sich eine Ernteknappheit keineswegs gleichmäßig auf alle Produktstufen auswirkt.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!