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B2
Starre Hierarchien begünstigen Machtmissbrauch in Kliniken
Eine Umfrage zeigt: Viele Ärztinnen und Ärzte erleben Mobbing und Belästigung in Kliniken. Oft sind Vorgesetzte verantwortlich. Besonders in der Chirurgie sind junge Ärzte sehr abhängig von ihren Chefs.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Starre Hierarchien begünstigen Machtmissbrauch in Kliniken.
Host: Die Zahlen aus der Umfrage des Marburger Bundes sind wirklich alarmierend, oder?
Guest: Ja, absolut. Fast 9.000 Ärztinnen und Ärzte wurden befragt, und 13 Prozent berichteten von sexueller Belästigung im letzten Jahr.
Host: Und fast die Hälfte gab an, gemobbt oder erniedrigt worden zu sein.
Guest: Genau, 49 Prozent – und in 87 Prozent dieser Fälle waren Vorgesetzte verantwortlich, meistens Männer.
Host: Der Marburger Bund spricht deshalb von einem strukturellen Problem, nicht von Einzelfällen.
Guest: Richtig, weil die Hierarchien in Kliniken so starr sind, dass Machtmissbrauch fast vorprogrammiert ist.
Host: Besonders betroffen scheint die Chirurgie zu sein, habe ich gelesen.
Guest: Ja, weil Oberärzte und Chefärzte dort entscheiden, wer die Operationen für den Facharzttitel bekommt.
Host: Das heißt, junge Ärztinnen und Ärzte sind völlig von ihnen abhängig.
Guest: Genau, und obwohl rund 70 Prozent der Medizinstudierenden Frauen sind, liegt der Männeranteil in der Herz- und Neurochirurgie bei etwa 80 Prozent.
Host: Gibt es konkrete Beispiele, wie diese Abhängigkeit ausgenutzt wurde?
Guest: Eine Betroffene berichtete, ein Oberarzt habe ihr Operationen im Gegenzug für ein Entkleiden angeboten.
Host: Das ist erschütternd. Was ist passiert, nachdem sie sich beschwert hat?
Guest: Sie wandte sich an die Gleichstellungsbeauftragte, wurde aber nur beraten, die Klinik oder das Fach zu wechseln.
Host: Also musste letztlich sie die Konsequenzen tragen, nicht der Oberarzt.
Guest: Genau das kritisiert auch der Fachanwalt Arne Killmer, der die Ursache in den traditionell starken Hierarchien sieht.
Host: Weil Chefärzte sich dadurch loyale Teams um sich versammeln können?
Guest: Ja, und diese Loyalität verhindert oft, dass Missstände überhaupt angesprochen werden.
Host: Hat sich die Spitze der Ärzteschaft dazu schon geäußert?
Guest: Ja, beim Deutschen Ärztetag im Mai schilderten Medizinstudentinnen öffentlich unangemessene Erfahrungen mit männlichen Kollegen.
Host: Und wie hat der Präsident der Bundesärztekammer reagiert?
Guest: Klaus Reinhardt zeigte sich überrascht vom Ausmaß der Vorwürfe und forderte, Sexismus und Machtmissbrauch zu sanktionieren.
Host: Wurde schon etwas Konkretes beschlossen?
Guest: Ein Verhaltenskodex für Veranstaltungen wie den Ärztetag wurde bereits beschlossen, aber die strukturelle Abhängigkeit in der Facharztausbildung besteht weiter.
Host: Was schlägt der Marburger Bund vor, damit sich das ändert?
Guest: Verbindliche Lehrpläne und eine begrenzte Zahl von Auszubildenden pro Weiterbildungsteam, damit nicht ein einzelner Chefarzt zu viel Macht hat.
Host: Wer entscheidet eigentlich, ob diese Vorschläge umgesetzt werden?
Guest: Das liegt bei den 17 Landesärztekammern, und die reagieren sehr unterschiedlich.
Host: Inwiefern unterschiedlich?
Guest: Berlin und Schleswig-Holstein haben Teile der Vorschläge bereits übernommen, während Sachsen sie ablehnt.
Host: Was macht Sachsen stattdessen?
Guest: Sachsen setzt auf eine Ombudsstelle und Vor-Ort-Kontrollen, und auch Baden-Württemberg und Bayern bevorzugen eher Schlichtungsstellen.
Host: Die Bundesärztekammer selbst – wie positioniert sie sich?
Guest: Sie verweist auf die bestehende Musterweiterbildungsordnung und will das Thema beim Ärztetag im kommenden Jahr erneut diskutieren.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!