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C1
Starre Hierarchien begünstigen Machtmissbrauch in Kliniken
Eine Umfrage zeigt: Viele Ärztinnen und Ärzte erleben Mobbing und Belästigung in Kliniken. Oft sind Vorgesetzte verantwortlich. Besonders in der Chirurgie sind junge Ärzte sehr abhängig von ihren Chefs.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Starre Hierarchien begünstigen Machtmissbrauch in Kliniken.
Host: Die Zahlen aus der Marburger-Bund-Umfrage sind schon drastisch – fast die Hälfte der befragten Ärztinnen und Ärzte gibt an, gemobbt, schikaniert oder erniedrigt worden zu sein.
Guest: Ja, und besonders alarmierend finde ich, dass in 87 Prozent dieser Fälle Vorgesetzte verantwortlich gemacht werden, überwiegend Männer. Das deutet ja klar auf ein strukturelles Problem hin, nicht auf Einzelfälle.
Host: Der Marburger Bund spricht ja auch explizit von einem zentralen Strukturproblem. Aber was genau macht die Hierarchie in Kliniken so anfällig für Machtmissbrauch?
Guest: Das liegt vor allem an der fachlichen Abhängigkeit. In der Chirurgie etwa entscheiden Oberärzte und Chefärzte darüber, wer welche Operationen bekommt – und die sind für den Facharzttitel zwingend notwendig. Wer sich also mit Vorgesetzten anlegt, riskiert seine gesamte Ausbildung.
Host: Das erklärt vielleicht auch, warum der Männeranteil in der Herz- und Neurochirurgie bei rund 80 Prozent liegt, obwohl etwa 70 Prozent der Medizinstudierenden Frauen sind.
Guest: Genau, insofern spiegelt sich die Machtstruktur direkt in der Geschlechterverteilung dieser Fachrichtungen wider. Eine Betroffene aus der Recherche von team.recherche hat sogar erzählt, ein Oberarzt habe ihr Operationen im Gegenzug für ein Entkleiden angeboten.
Host: Das ist ungeheuerlich. Und als sie sich bei der Gleichstellungsbeauftragten beschwert hat, wurde ihr empfohlen, die Klinik oder gleich das Fach zu wechseln?
Guest: Leider ja. Das zeigt, wie wenig institutionelle Unterstützung es gibt, wenn Betroffene sich wehren. Die Last des Wechsels liegt bei ihnen, während die Vorgesetzten im System bleiben.
Host: Der Fachanwalt Arne Killmer sieht die Ursache ja in traditionell starken Hierarchien, die es Chefärzten erlauben, sich loyale Teams aufzubauen. Wie hängt das zusammen?
Guest: Wenn ein Chefarzt faktisch allein entscheidet, wer Operationen bekommt und wer bleibt, entsteht ein System persönlicher Loyalität statt fachlicher Bewertung. Beschwerden werden dann schnell als Bedrohung für die eigene Position wahrgenommen.
Host: Interessant, dass das Thema inzwischen auch auf höchster Ebene angekommen ist. Beim Deutschen Ärztetag im Mai haben Medizinstudentinnen ja öffentlich von unangemessenen Erfahrungen mit männlichen Kollegen berichtet.
Guest: Und der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, zeigte sich dabei überrascht vom Ausmaß der Vorwürfe. Er forderte, Sexismus und Machtmissbrauch konsequent zu sanktionieren.
Host: Allerdings wurde bislang nur ein Verhaltenskodex für Veranstaltungen wie den Ärztetag beschlossen. Die strukturelle Abhängigkeit in der Facharztausbildung selbst bleibt davon unberührt, oder?
Guest: Richtig, das ist genau der Punkt. Ein Verhaltenskodex für einen Kongress ändert nichts an der täglichen Abhängigkeit im Klinikalltag. Deshalb hat der Marburger Bund im April 2026 ja auch konkretere Vorschläge gemacht.
Host: Nämlich verbindliche Lehrpläne und eine begrenzte Zahl von Auszubildenden pro Weiterbildungsteam, wenn ich das richtig verstanden habe.
Guest: Genau, beides soll verhindern, dass einzelne Vorgesetzte zu viel Macht über zu viele Assistenzärztinnen und -ärzte gleichzeitig ausüben. Allerdings entscheiden darüber die 17 Landesärztekammern jeweils selbst, die Umsetzung ist also keineswegs einheitlich.
Host: Und da gibt es schon deutliche Unterschiede: Berlin und Schleswig-Holstein haben laut der Recherche Teile der Vorschläge übernommen.
Guest: Während Sachsen sie ablehnt und stattdessen auf eine Ombudsstelle sowie Kontrollen vor Ort setzt. Baden-Württemberg und Bayern wiederum bevorzugen Schlichtungsstellen als Lösung.
Host: Das wirkt insofern etwas zerfasert, als es am Ende von der jeweiligen Landesärztekammer abhängt, wie ernst das Problem angegangen wird.
Guest: Absolut, die Bundesärztekammer verweist bislang nur auf die bestehende Musterweiterbildungsordnung. Sie will das Thema zwar beim Ärztetag im kommenden Jahr erneut behandeln, eine verbindliche bundesweite Lösung gibt es bisher aber nicht.
Host: Es bleibt also spannend, ob aus der öffentlichen Debatte tatsächlich strukturelle Veränderungen werden oder ob es bei Einzelmaßnahmen der Länder bleibt.
Guest: Genau das wird sich wohl erst beim nächsten Ärztetag zeigen, wenn klar wird, wie viele Landesärztekammern bis dahin tatsächlich gehandelt haben.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!