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Studie: AfD-Wirtschaftspolitik richtet sich nicht nach Arbeiterinteressen
Eine Studie der Universität Tübingen zeigt: Die AfD bekommt viele Stimmen von Arbeiterinnen und Arbeitern, aber ihre Wirtschaftspolitik ist sehr marktliberal.
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Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Studie: AfD-Wirtschaftspolitik richtet sich nicht nach Arbeiterinteressen.
Host: Laut der neuen Studie der Universität Tübingen erreichte die AfD bei der Bundestagswahl 2025 auf einer Skala von null bis hundert einen Wert von 92 Prozent – und das, obwohl gerade Arbeiterinnen und Arbeiter besonders häufig für die Partei gestimmt haben.
Guest: Genau, zwischen 30 und 38 Prozent, je nach Erhebung. Damit war die AfD bei dieser Wählergruppe stärker als jede andere Partei.
Host: Was bedeutet dieser Wert von 92 Prozent eigentlich konkret?
Guest: Die Skala reicht von einer umverteilenden, sozialstaatlichen Haltung bis zu einer marktliberalen, unternehmens- und fiskalfreundlichen Ausrichtung. Ein hoher Wert zeigt also, dass eine Partei eher wirtschaftsliberal positioniert ist.
Host: Damit liegt die AfD sogar noch vor der Union, die 79 Prozent erreicht hat.
Guest: Richtig, nur die FDP ist mit 100 Prozent noch liberaler. Das BSW kommt auf 29 Prozent, SPD und Grüne jeweils auf 25, und die Linke liegt bei lediglich 8 Prozent.
Host: Interessant ist auch, dass sich dieser Wert im Laufe der Zeit verändert hat.
Guest: Ja, 2013 lag die AfD bei 89 Prozent, 2017 bei 83 und 2021 bei 71. Nachdem sich der Marktliberalismus vorübergehend abgeschwächt hatte, ist die Partei 2025 mit 92 Prozent wieder zu den Werten ihrer Gründungsjahre zurückgekehrt.
Host: Trotzdem wirbt die AfD gezielt um Arbeiterinnen und Arbeiter, oder?
Guest: Das stimmt. Ein internes Strategiepapier des AfD-Bundesvorstands aus dem Jahr 2016 nennt „kleine Leute“, Arbeiter und Arbeitslose ausdrücklich als Zielgruppen. Laut Biskamp habe sich vor allem das äußere Erscheinungsbild der Partei verändert, während das wirtschaftspolitische Programm im Kern gleich geblieben sei.
Host: Der AfD-Sozialpolitiker René Springer sieht das aber anders.
Guest: Er argumentiert, dass andere Parteien, besonders die SPD, eine Repräsentationslücke hinterlassen hätten, die seine Partei nun fülle. Als typische Arbeiterinteressen nennt er Heimat, Familie und Leistung.
Host: Gibt es dazu auch unabhängige Untersuchungen?
Guest: Ja, eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim kam vor der Bundestagswahl 2025 zu dem Schluss, dass die steuerpolitischen Vorschläge der AfD überproportional Menschen mit hohen Einkommen und Vermögen zugutekämen.
Host: Wie reagiert Springer darauf?
Guest: Er meint, solche Berechnungen würden indirekte Abgaben wie die CO2-Bepreisung nicht ausreichend berücksichtigen. Allerdings verursachen wohlhabende Haushalte im Schnitt mehr CO2, sodass auch deren Abschaffung eher Besserverdienenden nützen würde.
Host: Wie erklärt sich Biskamp dann, dass trotzdem so viele Arbeiter die AfD wählen?
Guest: Er verweist darauf, dass wirtschaftliche Eigeninteressen nicht zwingend über das Wahlverhalten entscheiden. Der klassische Verteilungskonflikt zwischen Löhnen und Vermögen habe an Bedeutung verloren, auch weil sich Arbeiterinnen und Arbeiter heute seltener in Gewerkschaften organisieren.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!