ListenYourNews
C1
UniCredit darf Commerzbank-Anteil ohne Grenze erhöhen
Die EZB erlaubt UniCredit, mehr Anteile an der Commerzbank zu kaufen. UniCredit will bald die Kontrolle über die Bank haben.
Start this lesson →
📖 ReadA podcast dialogue written for your level
🎧 ListenNative-sounding audio, adjustable speed
✅ QuizCheck what you understood
🎙 SpeakAn AI teacher corrects your answer
Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über UniCredit darf Commerzbank-Anteil ohne Grenze aufstocken.
Host: Die EZB hat UniCredit grünes Licht gegeben, den Anteil an der Commerzbank über die bisherigen knapp 30 Prozent hinaus zu erhöhen – und zwar ohne jede Obergrenze. Wie bewerten Sie diesen Schritt?
Guest: Das ist in der Tat bemerkenswert, denn UniCredit selbst spricht von einem Meilenstein, während sich weder die Commerzbank noch die EZB dazu offiziell geäußert haben. Dieses Schweigen ist insofern aufschlussreich, als es zeigt, wie angespannt die Lage nach wie vor ist.
Host: Wie ist UniCredit denn überhaupt an die zusätzlichen Anteile gekommen?
Guest: Zum einen über komplexe Finanzkonstruktionen und über andere Banken, zum anderen über Aktien, die ihnen Commerzbank-Aktionäre im Rahmen des freiwilligen Übernahmeangebots bereits angedient haben. Beides zusammen soll bis Ende des Jahres rund 50 Prozent der Stimmrechte ergeben.
Host: Das wäre dann faktisch die Kontrollmehrheit.
Guest: Richtig, allerdings nur, sofern bis dahin sämtliche aufsichtsrechtlichen Prüfungen abgeschlossen sind. Die EU-Kommission als Wettbewerbshüterin hat ihre Entscheidung nämlich noch gar nicht getroffen.
Host: Welche Dimension hätte ein Zusammenschluss überhaupt?
Guest: Es entstünde ein Institut mit einer Bilanzsumme von 1,3 Billionen Euro – das ist eine Größenordnung, die den Finanzmarktforscher Florian Heider vom Leibniz-Institut SAFE durchaus optimistisch stimmt.
Host: Aus welchem Grund?
Guest: Weil europäische Banken auf dem zersplitterten Binnenmarkt bislang langsamer wachsen konnten als ihre US-amerikanische Konkurrenz. Ein größeres Institut könnte diesen Nachteil im internationalen Wettbewerb zumindest teilweise ausgleichen.
Host: Volker Brühl vom Center for Financial Studies sieht das offenbar differenzierter.
Guest: Durchaus. Er hält die Übernahme zwar inzwischen für nicht mehr aufzuhalten, wertet sie für den Finanzplatz Frankfurt aber als Rückschlag, da die 156 Jahre alte, im DAX notierte Commerzbank damit ihre Eigenständigkeit verliert.
Host: Wie hat die Bundesregierung ursprünglich auf das Vorgehen reagiert?
Guest: Zunächst äußerst kritisch – man sprach von einem feindlichen und aggressiven Vorgehen der Italiener. Inzwischen klingt das deutlich moderater.
Host: Woran macht sich das fest?
Guest: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil spricht mittlerweile von konstruktiven Gesprächen statt verhärteter Fronten. Das lässt vermuten, dass man sich auf eine Art Arrangement zubewegt.
Host: Welche Hebel hat der Staat denn überhaupt noch in der Hand?
Guest: Der Bund hält seit der Rettung in der Finanzkrise rund 13 Prozent der Aktien und kann damit laut Heider zumindest eine vollständige Verschmelzung beider Häuser verhindern.
Host: Welche konkreten Bedingungen stellt die Regierung?
Guest: Sie fordert unter anderem, dass die Commerzbank Ansprechpartnerin für den Mittelstand bleibt, ihren Hauptsitz weiter in Frankfurt behält und es keine betriebsbedingten Kündigungen gibt.
Host: Und auf der Unternehmensseite – was plant UniCredit konkret?
Guest: Die Commerzbank soll mit der bereits zugehörigen HypoVereinsbank zusammengelegt werden, um auf diese Weise Milliarden einzusparen.
Host: Das klingt nach erheblichen Einschnitten beim Personal.
Guest: Genau davor warnt die Gewerkschaft ver.di: Sie befürchtet den Abbau von bis zu 15.000 der derzeit rund 40.000 Vollzeitstellen weltweit.
Host: Wie reagiert die Gewerkschaft darauf?
Guest: Verdi-Vertreter Jan Duscheck verlangt verbindliche Zusagen zur Sicherung von Standorten und Arbeitsplätzen – unverbindliche Absichtserklärungen reichen ihm offenkundig nicht aus.
Host: Gibt es schon Hinweise, wie UniCredit die Kontrolle über die Führungsgremien erlangen will?
Guest: Laut Medienberichten könnte im kommenden Jahr eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden, um den Aufsichtsrat der Commerzbank neu zu besetzen.
Host: Bleibt der Bund dabei außen vor?
Guest: Nein, er will weiterhin das Recht behalten, zwei eigene Kandidaten zu benennen – insofern bleibt ihm selbst bei einer Neubesetzung ein gewisser Einfluss erhalten.
Host: Profitieren eigentlich auch Konkurrenten von dieser Unsicherheit?
Guest: Durchaus. Institute wie die Deutsche Bank hoffen, verunsicherte Firmenkunden für sich zu gewinnen, falls die Commerzbank ihre Auslandsstandorte im Zuge der Übernahme verkleinert.
Host: Insgesamt ergibt sich also ein Bild, in dem sich wirtschaftliche Logik und politische Vorbehalte nicht ganz in Einklang bringen lassen.
Guest: So würde ich das auch sehen. Während die ökonomische Argumentation für ein größeres, wettbewerbsfähigeres Institut spricht, bleiben auf politischer und gewerkschaftlicher Seite die Sorgen um Standort, Arbeitsplätze und Eigenständigkeit bestehen – und ob sich das vollständig auflösen lässt, ist derzeit offen.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!