ListenYourNews
C1
Wärmepumpen verdrängen Ölheizungen trotz jahrelangem Förderstreit
Heizungsbauer Dieter Allenbacher baut heute meistens Wärmepumpen ein. Öl, Gas und Pellets spielen kaum noch eine Rolle. Die Gründe sind hohe Preise für Öl und Gas und staatliche Förderungen. Nicht jedes Haus ist aber für eine Wärmepumpe geeignet.
Start this lesson →
📖 ReadA podcast dialogue written for your level
🎧 ListenNative-sounding audio, adjustable speed
✅ QuizCheck what you understood
🎙 SpeakAn AI teacher corrects your answer
Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Wärmepumpen verdrängen Ölheizungen trotz jahrelangem Förderstreit.
Host: Neun von zehn neu eingebauten Heizungen sind mittlerweile Wärmepumpen – das klingt fast nach einer stillen Revolution, obwohl der politische Streit darüber alles andere als still verlief.
Guest: Genau, und diese Zahl stammt direkt aus der Praxis: Dieter Allenbacher, der seit 36 Jahren als Heizungsbauer arbeitet und zusätzlich als Energieberater und Gerichtsgutachter tätig ist, berichtet das aus seinem eigenen Betrieb in der Region Kaiserslautern.
Host: Das heißt, Öl und Gas spielen in seinem Alltag praktisch keine Rolle mehr?
Guest: Öl so gut wie gar nicht mehr, und auch Gas sowie Pellets machen laut Allenbacher nur noch einen kleinen Anteil aus – die Wärmepumpe ist faktisch zum Standard geworden.
Host: Woran liegt das – ist es die Überzeugung, dass Wärmepumpen die bessere Technik sind, oder spielen andere Faktoren eine größere Rolle?
Guest: Allenbacher nennt zwei Gründe: einerseits die gestiegenen Öl- und Gaspreise, andererseits die weiterhin hohen staatlichen Förderungen. Interessant ist allerdings, dass manche Kunden allein wegen der Förderung umsteigen, obwohl gar kein echter Bedarf bestünde.
Host: Das wirft die Frage auf, ob die Wärmepumpe denn wirklich für jedes Haus geeignet ist.
Guest: Nein, und genau davor warnt er ausdrücklich. Besonders gut eigneten sich Neubauten oder Häuser aus den 1990er-Jahren mit Fußbodenheizung und Solaranlage. Bei älteren oder schlecht gedämmten Gebäuden rät er hingegen zu genauer Prüfung.
Host: Weil sonst die hohen Anschaffungskosten zum Problem werden?
Guest: Genau, insofern die Investition langfristig in teure Kredite münden kann, wenn die Gegebenheiten des Gebäudes gar nicht passen.
Host: Allenbacher kritisiert offenbar auch die Politik selbst, nicht nur die technische Eignung.
Guest: Richtig, er bemängelt die ständig wechselnde Gesetzeslage als unpraktisch und fordert dauerhafte, einfache Regeln, an denen sich Handwerk und Kunden orientieren können.
Host: Das führt uns zum Gebäudeenergiegesetz von Robert Habeck, das 2023 für erheblichen Koalitionsstreit zwischen FDP und Grünen sorgte.
Guest: Ja, das Gesetz wurde im Herbst jenes Jahres nur in abgeschwächter Form beschlossen und später durch das Gebäudemodernisierungsgesetz ersetzt, das die ursprünglich strengeren Vorgaben wieder lockerte.
Host: Und diese politische Unruhe spiegelt sich wohl auch in den Verkaufszahlen wider?
Guest: Durchaus: 2023 wurden mit 356.000 Geräten so viele Wärmepumpen wie nie zuvor verkauft, ein Plus von 51 Prozent. Doch 2024 brach die Nachfrage um 46 Prozent ein.
Host: Ein ziemlicher Einbruch nach einem Rekordjahr.
Guest: Allerdings erholte sich der Markt, nachdem die KfW 2025 neue Förderbedingungen eingeführt hatte – ein Wachstum von über 50 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 legte der Markt erneut um 40 Prozent zu.
Host: Trotzdem wurde das frühere Regierungsziel von 500.000 neu installierten Anlagen pro Jahr nie erreicht?
Guest: Nein, bislang nicht annähernd, obwohl die Zahlen zeitweise stark gestiegen sind.
Host: Der Ökonom Manuel Frondel sieht das Ganze deutlich kritischer als Allenbacher.
Guest: Frondel vom Essener Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung argumentiert, dass vor allem die staatlichen Zuschüsse – teils über 20.000 Euro pro Anlage – die treibende Kraft hinter dem Boom seien, weniger eine tiefe Überzeugung der Käufer.
Host: Und das soll sich ab 2027 ändern, wenn die Förderung schrittweise sinkt?
Guest: Genau, und Frondel bemängelt zudem, dass überwiegend einkommensstärkere Haushalte profitiert hätten – also Leute, die ohnehin gewechselt wären, auch ohne die pauschale Förderung.
Host: Deshalb plädiert er für ein schnelles Ende dieser pauschalen Zuschüsse?
Guest: Ja, stattdessen favorisiert er ein übergeordnetes europäisches Klimaziel sowie den ab 2028 geplanten zweiten EU-Emissionshandel für Gebäude und Verkehr, der Emissionsminderungen dort ermöglichen soll, wo sie am günstigsten umzusetzen sind.
Host: Das heißt, während Allenbacher praktische, baubezogene Kriterien betont, denkt Frondel eher marktwirtschaftlich und europäisch.
Guest: Genau diesen Gegensatz finde ich bemerkenswert: Der eine schaut aufs einzelne Gebäude, der andere auf das gesamte System und die Frage, wo CO2-Einsparungen am günstigsten erzielt werden können.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!