ListenYourNews
C1
Warum ausgetrocknete Moore so gefährlich brennen
Im belgischen Hohen Venn brennt ein Moor nicht nur an der Oberfläche, sondern auch tief unter der Erde. Trockener Torf macht solche Feuer besonders schwer zu löschen.
Start this lesson →
📖 ReadA podcast dialogue written for your level
🎧 ListenNative-sounding audio, adjustable speed
✅ QuizCheck what you understood
🎙 SpeakAn AI teacher corrects your answer
Host: Herzlich willkommen zum Podcast von ListenYourNews, hier ist Julia.
Guest: Und ich bin Marco. Heute sprechen wir über Warum ausgetrocknete Moore so gefährlich brennen.
Host: Im Hohen Venn kämpfen die Einsatzkräfte offenbar nicht nur gegen sichtbare Flammen, sondern auch gegen ein Feuer, das sich unter der Erde ausbreitet. Wie muss man sich das eigentlich vorstellen?
Guest: Genau, dort brennt neben Bäumen und Gräsern auch das Torfmoor selbst, und diese Schichten reichen stellenweise mehrere Meter in die Tiefe. Man spricht deshalb von sogenannten Zombiefeuern, die als besonders schwer zu löschen gelten.
Host: Das klingt, als wäre das etwas grundlegend anderes als ein gewöhnlicher Waldbrand.
Guest: Genau das betont auch die Forscherin Tanja Sanders vom Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde. Sie erklärte der dpa, dass sich Moorbrände fundamental anders verhalten als klassische Vegetations- oder Waldbrände.
Host: Inwiefern denn konkret?
Guest: Während sich Waldbrände relativ gut lokalisieren lassen und stark vom Wind beeinflusst werden, breitet sich das Feuer im Moor meist unbemerkt im Untergrund aus. Im ausgetrockneten Torf kann es sich meterweit fortbewegen.
Host: Und dann irgendwo völlig unerwartet wieder auftauchen?
Guest: Genau, es kann an einer völlig anderen Stelle wieder an die Oberfläche durchbrechen. Für die Einsatzkräfte macht das die Bekämpfung nicht nur schwierig, sondern regelrecht riskant.
Host: Gibt es schon eine Einschätzung, wie lange die Löscharbeiten dort noch dauern könnten?
Guest: Ein Feuerwehrsprecher aus Monschau rechnet damit, dass sich die Arbeiten noch über Wochen hinziehen könnten.
Host: Ist das Hohe Venn denn grundsätzlich anfällig für solche Brände, oder handelt es sich eher um einen Ausnahmefall?
Guest: Eigentlich zählt es zu den Moorgebieten, die kaum in Brand geraten, wie der Biologe Tobias Ceulemans von der Universität Antwerpen gegenüber der Zeitung Nieuwsblad erläuterte.
Host: Was hat den Boden dann überhaupt so anfällig gemacht?
Guest: Erst eine jahrzehntelange Entwässerung, mit der man Platz für Fichtenforst zur Holzgewinnung geschaffen hat, hat den Boden entsprechend anfällig gemacht.
Host: Das klingt fast wie ein hausgemachtes Problem.
Guest: So sieht es Ceulemans offenbar auch, denn er kritisierte, dass auf solchen Böden gar kein Nutzforst hätte angelegt werden dürfen.
Host: Was passiert eigentlich, wenn so ein trockenes Moor tatsächlich Feuer fängt?
Guest: Laut Sanders kann sich das Feuer dann ins Erdreich fressen und zu einem Schwelbrand werden – also einem Brand ohne sichtbare Flammen.
Host: Aber trotzdem gefährlich, nehme ich an?
Guest: Sehr sogar, denn dabei entsteht starker, mitunter giftiger Rauch mit Kohlenmonoxid.
Host: Wie kommt man einem solchen Schwelbrand überhaupt bei?
Guest: Dafür ist eine enorme Menge Wasser nötig, weil letztlich die gesamte Fläche durchfeuchtet werden muss.
Host: Bleibt so ein Feuer denn nur kurz aktiv, oder kann es sich über längere Zeit halten?
Guest: Ein Fall aus der Region Bordeaux zeigt eindrücklich, wie hartnäckig solche Feuer sein können.
Host: Was ist dort konkret passiert?
Guest: Ein 2022 betroffenes Gebiet wird laut Feuerwehr bis heute überwacht, und über zwei Jahre hinweg stießen Einsatzkräfte immer wieder auf Reste des ursprünglichen Feuers.
Host: Das heißt, das Feuer war die ganze Zeit irgendwo im Untergrund präsent?
Guest: Offensichtlich, und anhaltende Trockenheit sowie starke Winde können demnach an völlig unerwarteten Stellen neue Brandherde entfachen.
Host: Woran erkennt man das überhaupt, wenn kein sichtbares Feuer da ist?
Guest: Erkennbar ist das zum Beispiel an glimmenden Wurzeln oder an Rauch, der scheinbar aus dem Nichts aufsteigt.
Host: Für die Einsatzkräfte muss das ja enorm zermürbend sein.
Guest: Der Kommandant des Feuer- und Rettungsdienstes im Département Gironde, Matthieu Jomain, berichtete der AFP, dass genau diese unvermittelt auftauchenden Schwelbrände erhebliche Probleme bereitet hätten.
Host: Weil man nie weiß, wo als Nächstes etwas aufflammt?
Guest: Genau, sie folgten keinem erkennbaren Muster, was die Planung der Einsätze zusätzlich erschwerte.
Host: Wie sind die Einsatzkräfte dort letztlich vorgegangen, um die verborgenen Brandherde aufzuspüren?
Guest: Sie mussten Asche und Erde Stück für Stück abtragen, um überhaupt bis zu den tiefliegenden Glutnestern vorzudringen.
Host: Das klingt nach einer mühsamen, fast schon kleinteiligen Arbeit.
Guest: Insofern zeigt der Fall aus Frankreich ziemlich deutlich, worauf sich die Einsatzkräfte im Hohen Venn möglicherweise noch einstellen müssen, wenn sich die Situation dort ähnlich entwickelt.
Host: Das war unsere heutige Folge.
Guest: Danke fürs Zuhören!
Host: Bis zum nächsten Mal!